Ägyptens Filesharer sollen Pause machen

kabelbruch
31.01.2008

Nach der Beschädigung zweier wichtiger Glasfaserverbindungen vor Alexandria hat die ägyptische Regierung Filesharer dazu aufgefordert, die schmale Restbandbreite für wirklich wichtige Anwendungen freizugeben.

Durch zwei beschädigte Unterseekabel im Mittelmeer ist der Internet-Verkehr in weiten Teilen des Nahen Ostens und Südasiens schon den zweiten Tag in Folge teilweise zum Erliegen gekommen. Die ägyptischen Behörden riefen am Donnerstag die privaten Internet-Nutzer auf, auf das Herunterladen von Filmen und Musik zu verzichten.

Auf diese Weise würden mehr Kapazitäten für Unternehmen frei, die "wichtigere Dinge zu tun" hätten, sagte der Sprecher des Ministeriums für Telekommunikation, Mohammed Taimur. Die Internet-Verbindungen waren auch in Saudi-Arabien, Kuweit und Katar gestört, die Datenübertragung war zum Teil erheblich verlangsamt.

Gründe weiter unbekannt

Die Gründe für den Ausfall der Unterwasserleitungen waren weiter unbekannt. Beide lägen unter Wasser etwa einen Kilometer voneinander entfernt, sagte der Taimur. "Wir wissen nicht, wodurch sie beschädigt wurden." US-Medienberichten vom Mittwoch zufolge hatte ein Schiffsanker die beiden Kabel durchtrennt.

Die Störung des Internets war auch in Indien empfindlich spürbar. Seit Donnerstag seien vor allem die Verbindungen an die US-Ostküste und nach Großbritannien gestört, sagte Rajesch Charia vom indischen Verband der Internet-Provider. Er rechnete damit, dass die Breitband-Datenleitungen noch mehr als zwei Wochen gestört oder zeitweise sogar völlig unterbrochen sein könnten.

Indische Callcenter betroffen

Nach Einschätzung von Raman Roy von der Callcenter-Firma Quattro war durch die Panne ein Fünftel der indischen Computerindustrie vom Rest der Welt abgeklemmt. In Indien gehört die IT-Industrie zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen: Rund 700.000 Menschen arbeiten in Unternehmen, die Programmier-Dienstleistungen oder Telefonberatungen über das Internet an ausländische Auftraggeber verkaufen. Die indischen Subunternehmer machen jährlich umgerechnet mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz.

(AFP)