Software speichert Lebensinhalt
Gordon Bell ist Senior Researcher bei der Media Presence Research Group von Microsoft in San Francisco hat vor vier Jahren einen Selbstversuch gestartet: er digitalisiert sein Leben.
Bücher, Artikel, Musik, Videos, Fotos, Dokumente, Verträge, Orden, Radiosendungen, Telefonate - alles, was Gordon Bell besitzt, produziert und erlebt wird in Bits umgewandelt und mit einer speziell entwickelten Software verwaltet. Das Projekt heißt "My Life Bits" und soll das Leben von materiellem Kram befreien.
MyLifeBits ProjectGordon Bell
Gordon Bell ist 70 Jahre alt und hat fast sein ganzes Leben mit
Computern gearbeitet. Er hat am MIT in Boston studiert, war 23 Jahre
lang Vizepräsident für Forschung und Entwicklung bei der Digital
Equipment Corporation, Professor für Computerwissenschaften an der
Carnegie-Mellon University und seit 1995 ist er bei Microsoft. Bell
hat 30 Multiprozessoren mitentwickelt, zahlreiche Artikel und Bücher
über Computerstrukturen und Start-up-Firmen geschrieben und war an
der Gründung von zwei Computermuseen in den USA beteiligt.
Gordon BellWie alles begann
Ein Freund von Gordon Bell fragte ihn im Jahr 2000, ob er dessen Bücher kopieren kann, um sie ins Netz zu stellen. Das sollte Teil eines Projektes der Carnegie Mellon Universität werden, mit dem Bücher, die nicht mehr auf dem Markt sind, digital verewigt werden sollen.
Gordon Bell gegann daraufhin, alle seine Artikel, Berichte und Vorträge einzuscannen und zu sichern. Auf den Geschmack gekommen, speicherte er auch seine Fotos, CDs, Videos, Dokumente und sogar Fotos von Medaillen auf einer Festplatte.
Zwei Jahre später wurde dafür eine Anwendung entwickelt, mit der die Daten verwaltet, kommentiert und verlinkt werden können. Daraus entstand "My Life Bits", nunmehr ein Projekt des Microsoft Forschungszentrums.
Wer suchet, der findet
Kern des Systems sind Text- und Audio-Kommentare zu den einzelnen Dokumenten, in denen man auch suchen kann. Ausserdem können die einzelnen Dateien miteinander verknüpft werden.
Zum Beispiel kann die Anmerkung zu einem Foto direkt zu einem Eintrag im Adressbuch verlinken und umgekehrt. Wie man Informationen in großen Datensammlungen findet, ist ein wichtiges Thema, nicht nur für "My Life Bits"
Next-generation search toolsEin Terabyte für ein Leben
Gordon Bell hat bisher etwa 40 Gigabyte an Daten angesammelt, monatlich kommt rund ein Gigabyte dazu. Für ein ganzes Leben würde man etwa ein Terabyte brauchen, meint Gordon Bell, und das soll möglichst auf eine Festplatte passen.
Gordon Bell musste einen Großteil seiner alten Unterlagen einscannen oder von alten Floppydisks ziehen, was er nur mit Hilfe einer Assisstentin schaffte. In Zukunft würde das jedoch einfacher werden, so Bell, weil viele Dinge von vornherein digital seien.
Leerer Schreibtisch
Einen Großteil der digitalisierten Unterlagen hat Gordon Bell weggeworfen und sich damit von etwa 30 Metern Aktenregalen befreit. Die größte Freude ist für ihn der leere Schreibtisch. Während er früher Berge von Zeitungsausschnitten gesammelt hat, die er noch lesen wollte, liegt jetzt alles säuberlich kommentiert im Computer auf dem Lese-Stapel.
Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Sonja Bettel hat Gordon Bell über seine digitale
Sammelleidenschaft befragt. Astrid Schwarz unternimmt einen
Streifzug durch die Welt der Informationsvisualisierung und
berichtet über Theorie, Techniken, Methoden und Anwendungen der
Netzwerkanalyse.
Netzwerkanalyse als Wissenschaft
matrix zum Download für Ö1-Clubmitglieder
