10.10.2004

MATRIX FORUM

Software speichert Lebensinhalt

Gordon Bell ist Senior Researcher bei der Media Presence Research Group von Microsoft in San Francisco hat vor vier Jahren einen Selbstversuch gestartet: er digitalisiert sein Leben.

Wie alles begann

Ein Freund von Gordon Bell fragte ihn im Jahr 2000, ob er dessen Bücher kopieren kann, um sie ins Netz zu stellen. Das sollte Teil eines Projektes der Carnegie Mellon Universität werden, mit dem Bücher, die nicht mehr auf dem Markt sind, digital verewigt werden sollen.

Gordon Bell gegann daraufhin, alle seine Artikel, Berichte und Vorträge einzuscannen und zu sichern. Auf den Geschmack gekommen, speicherte er auch seine Fotos, CDs, Videos, Dokumente und sogar Fotos von Medaillen auf einer Festplatte.

Zwei Jahre später wurde dafür eine Anwendung entwickelt, mit der die Daten verwaltet, kommentiert und verlinkt werden können. Daraus entstand "My Life Bits", nunmehr ein Projekt des Microsoft Forschungszentrums.

Wer suchet, der findet

Kern des Systems sind Text- und Audio-Kommentare zu den einzelnen Dokumenten, in denen man auch suchen kann. Ausserdem können die einzelnen Dateien miteinander verknüpft werden.

Ein Terabyte für ein Leben

Gordon Bell hat bisher etwa 40 Gigabyte an Daten angesammelt, monatlich kommt rund ein Gigabyte dazu. Für ein ganzes Leben würde man etwa ein Terabyte brauchen, meint Gordon Bell, und das soll möglichst auf eine Festplatte passen.

Gordon Bell musste einen Großteil seiner alten Unterlagen einscannen oder von alten Floppydisks ziehen, was er nur mit Hilfe einer Assisstentin schaffte. In Zukunft würde das jedoch einfacher werden, so Bell, weil viele Dinge von vornherein digital seien.

Leerer Schreibtisch

Einen Großteil der digitalisierten Unterlagen hat Gordon Bell weggeworfen und sich damit von etwa 30 Metern Aktenregalen befreit. Die größte Freude ist für ihn der leere Schreibtisch. Während er früher Berge von Zeitungsausschnitten gesammelt hat, die er noch lesen wollte, liegt jetzt alles säuberlich kommentiert im Computer auf dem Lese-Stapel.