06.10.2004

GAME & SPORTS

E-Sport als "Feldforschung"

Mitte November startet die postgraduale Ausbildung an der Donau-Universität Krems zum Thema E-Sports, die zum Titel "Professional Master of Science in eSport and Competitive Computer Gaming" führt.

Initiiert wurde der Lehrgang von Michael Wagner, der selber aus dem Bereich der Computergrafik kommt und über die Lehrerweiterbildung auf das Thema E-Sport gestoßen ist.

Neben der Vermittlung von wirtschaftlichen Grundlagen für Tätigkeiten wie das Managen eines Clans sollen die Studenten auch forschend aktiv sein und ihr Studium inhaltlich selber erschließen können, so Wagner gegenüber futurezone.ORF.at.

Er selbst beschreibt die Ausbildung auch als Weg, den Bereich E-Sport wissenschaftlich zu erschließen, da bis dato das Spielen akademisch noch nicht ausreichend behandelt werde.

Erforschung einer Jugendkultur

Wagner sieht E-Sport vor allem als eine Jugendkultur, die sowohl kulturell als auch wirtschaftlich blüht und gedeiht, sich aber mehr oder weniger unbeachtet von der Gesellschaft entwickelt hat.

Von der Erforschung dieser Entwicklung getrieben, deren Auswirkungen auf die Kompetenzen der Kinder die Lehrer offenbar vor immer größere Probleme stellt, initiierte er den Lehrgang.

Dieser richtet sich laut Eigendefinition an Personen, die im E-Sport aktiv sind oder daran Interesse haben, wie Clan-Manager, Spieler, aber auch Manager im Allgemeinen und Entwickler. Bis jetzt hätten sich vor allem Leute aus dem semiprofessionellen Bereich gemeldet, so Wagner, teilweise mit ganz konkreten Zielen wie der Eröffnung eines Cybercafes.

Angesprochen auf den idealen Studenten definiert Wagner eine Gruppe, die sich aus Leuten der Industrie, Pro-Gamern und Interessierten zusammensetzt und idealerweise um die 25 Jahre alt ist.

Grundsatz eines postgradualen Lehrgangs sei, dass die Studenten voneinander lernen, und das sei durch eine breite Streuung am besten zu erzielen, so Wagner.

Studenten erforschen sich selbst

Der Lehrgang wird in dreiwöchigen Modulen in Krems abgehalten. Um das Feeling eines Clans zu vermitteln, werden Teile des Lehrangebots in einem angemieteten Weingut abgehalten. Essen und Nächtigungskosten sind mit den 3.975 Euro pro Semester partiell abgedeckt.

Ansich war ein Kloster dafür im Gespräch, doch keines habe die notwendige Bandbreite angeboten. Auch die Uni Krems könne die benötigte Bandbreite so nicht bieten, meint Wagner.

Im Kurs können teilweise sehr intensive Tage anstehen, die von 9.00 Uhr bis über 24.00 Uhr dauern, dabei soll durch die sprichwörtlich spielerische Vermittlung der Lerninhalte [on- wie auch offline] die Intensität aber etwas gemildert werden.

Den recht theoriebasierten Inhalt erklärt Wagner mit der versuchten wissenschaftlichen Annäherung an das Thema. So sollen die Studenten an sich selbst erforschen, welche Vorgänge bei der Erlernung der notwendigen Kompetenzen für ein erfolgreiches Spielen ablaufen.

Zudem werde der Lehrinhalt speziell auf die Interessen und Neigungen der Gruppe zugeschnitten, die Studenten würden sich damit ihr Fach, aber auch seine Inhalte selbst erarbeiten können.

Mehr Akzeptanz für Medium Spiel

Angesprochen auf die möglichen Berufsaussichten eines Absolventen meint Wagner, dass sich mit der Entwicklung des E-Sports in Europa in Zukunft ganz neue Berufsfelder etablieren könnten wie Moderatoren für E-Sport-Events und professionelle Organisatoren für LAN-Partys.

Zur Gewalt in vielen etablierten E-Sport-Spielen wie "Counterstrike" meinte er, dass die Gewaltdebatte hier zu Lande sehr konservativ geführt werde und viele Aspekte zudecke. Im Lehrgang selbst werde auch die Ethik von Computerspielen behandelt, eine Auflage der Uni Krems.

Wagner hofft, dass durch den Lehrgang auch eine öffentliche wie wissenschaftliche "Awareness" für das Spielen an sich geschaffen wird und in Zukunft das Spiel als Medium auf mehr Akzeptanz stößt.