Digitalkameras: Features statt Megapixel
Zur PMA 2008 üben sich die Hersteller in kluger Modellpflege. Überraschend viele sinnvolle Merkmale aus der DSLR-Profiklasse finden sich in diesem Jahr in den Einsteigermodellen wieder.
Im Vorfeld der wichtigsten US-Fotomesse, der PMA, die von 31. Jänner bis 2. Februar in Las Vegas stattfinden wird, haben am Mittwoch die Hersteller Canon, Pentax und Fuji ihre ersten interessanten Geräte vorgestellt.
Canon
Die wichtigste bisher zur PMA 2008 vorgestellte Kamera des Digitalfotografie-Marktführers Canon ist die Einsteiger-Spiegelreflex [DSLR] EOS 450D. Die Nachfolgerin der EOS 400D bringt einen CMOS-Sensor mit einer Auflösung von 12,2 Megapixeln mit, der Formatfaktor liegt unverändert bei 1,6.
Auffälligste Neuerung ist wohl die Möglichkeit zur "Live View"-Vorschau, die es dem Spiegelreflex-Fotografen ermöglicht, wie mit einer herkömmlichen Digicam zu arbeiten und direkt auf dem eingebauten Bildschirm der Kamera Bildausschnitt und -wirkung schon vor Anfertigung der Aufnahme beurteilen zu können. Um diese Funktion besser nutzen zu können, hat Canon der neuen EOS einen 3-Zoll-Monitor und einen etwas stärkeren Akku spendiert.
Die EOS 450D ist auch die erste DSLR von Canon, die ihre Daten nicht mehr auf CF-, sondern auf SDHC-Karten abspeichert. Für die interne Bildverarbeitung sorgt der bewährte DIGIC-III-Prozessor [14-Bit-A/D-Wandler], die Kamera schafft schnelle Bildfolgen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3,5 Aufnahmen pro Sekunde, der Buffer hält 53 JPEGs mit geringer Kompression oder sechs RAW-Aufnahmen. Auch den aus dem Vorgängermodell bekannten Staubschutz für den Sensor bringt die neue kleine EOS mit. Die Kamera [ohne Optik] kommt zum Preis von 749 Euro auf den Markt.
Fuji
Außer den üblichen Kompakt- und Megazoom-Kameras hat Fuji den neuesten Spross seiner F-Serie von Kompaktkameras herausgebracht, die sich bis zum 6-Megapixel-Modell F31fd dadurch auszeichneten, dass sie dank ihres ausgezeichneten Sensors auch in schlechtesten Lichtverhältnissen noch recht rauscharme Bilder liefern konnten.
Leider hat nach der F50fd auch die F100fd einen Sensor mit zwölf Megapixeln. Dafür bringt sie - erstmals in dieser Serie - eine überarbeitete Optik mit, die bei auf Kleinbildverhältnisse umgerechnet 28 mm und einer Lichtstärke von 1:3,3 anfängt und bis umgerechnet 140 mm bei 1:5.1 reicht.
Auch eine Gesichtserkennung und ein Bildstabilisator [beweglich aufgehängter Sensor] sind mit im Paket, Software-seitig soll ein Programm aus Fujis DSLR S3 Pro für mehr Tonwertumfang sorgen. Die kleine Fuji bietet bei voller Auflösung eine Empfindlichkeit von ISO 3200. Die F100fd speichert ihre Bilder auf xD- oder auf SD[HC]-Karten, bedauerlicherweise nur als JPEGs, einen RAW-Modus hat das Gerät nicht. Die Kamera soll ab März 2008 in den Handel kommen. Zum Preis hat Fuji noch nichts bekanntgegeben.
Pentax/Samsung
Aus der Allianz des traditionsreichen japanischen Kameraherstellers Pentax mit dem koreanischen Elektronik-Multi Samsung gehen mittlerweile sehr interessante DSLRs hervor. Das neue Spitzenmodell von Pentax heißt K20D, sein Herzstück ist der erst in der vergangenen Woche offiziell vorgestellte 14,6-Megapixel-CMOS von Samsung mit einem Formatfaktor von 1,5. Bei Samsung läuft die Kamera mit leichten Modifikationen unter dem Namen GX20.
Auch die K20D verfügt über "Live View". Ansonsten sind die Modifikationen gegenüber dem Vorgängermodell eher praktischer Natur. Der Bildschirm auf der Rückseite wurde leicht auf 2,7 Zoll vergrößert, es gibt nun eine Anschlussbuchse für den Studioblitz, und eine besondere Funktion zeigt bei der Reinigung in Echtzeit an, wo sich auf dem Sensor Staub festgesetzt hat.
Die Kamera verfügt über einen 14-Bit-A/D-Wandler und eine Software, die verspricht, den Tonwertumfang zu optimieren. Die Bilder lassen sich als JPEG, im Pentax-eigenen RAW-Format PEF und in Adobes DNG-Format abspeichern.
Selbst kalibrieren
Weitere interessante Features: Der Nutzer kann - mit der gebotenen Vorsicht - den Autofocus selbst kalibrieren, um etwaige Probleme beim Scharfstellen beheben zu können. Auch die Farbdarstellung des internen Monitors kann vom User selbst eingestellt werden.
Inwieweit das bei den wechselnden Lichtverhältnissen im Feld sinnvoll ist, sei aber dahingestellt. Eingebaut ist auch ein Intervalltimer - eine eigentlich simple Funktion, die aber den meisten Kameras fehlt. Abgerundet wird das Erscheinungsbild durch die aus dem Vorgängermodell bekannten Staub- und Spritzwasserdichtungen und den Verwackelungsschutz im Gehäuse.
Nicht renoviert wurde dagegen das schon etwas angegraute Autofocus-Modul SAFOX VIII, auch die Verarbeitungsgeschwindigkeit von maximal drei Bildern pro Sekunde ist in dieser Klasse nicht berauschend, allerdings werden nur wenige Fotografen wirklich ein schnelleres System benötigen.
Die Kamera ist ab Ende März inklusive Kit-Optik [18-55 mm II] für 1.299 Euro erhältlich.
Einsteigerkamera mit vielen Features
Auch seine Einsteiger-DSLR hat Pentax aufgewertet. Herzstück der K200D ist der 10-Megapixel-CCD von Sony. Ein Novum in dieser Klasse sind die Staub- und Spritzwasserdichtungen, die allerdings nur unzureichend schützen, wenn nicht auch die Objektive mit entsprechenden Dichtungen ausgestattet sind - und solche Objektive sind teuer.
Weiteres Alleinstellungsmerkmal in seiner Klasse: die Energieversorgung über AA-Batterien statt über proprietäre Lithium-Ionen-Akkus. Außer JPEG und dem proprietären PEF-RAW-Format kann die K200D ihre Bilder auch gleich als DNG abspeichern. Smart auch die von Pentax zuerst in der K10D eingesetzte Empfindlichkeitsautomatik, die die ISO-Werte selbsttätig der eingestellten Blende/Zeit-Kombination anpasst. Die K200D soll Ende März für 799 Euro [inklusive Kit-Zoom] in den Handel kommen.
