26.09.2004

MATRIX FORUM

Computer hilft Kindern beim lesen lernen

Das "Projekt Listen" ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, um eine automatisierte Lesehilfe zu entwickeln, sie zu evaluieren und zu verbessern. Die Spracherkennungssoftware hilft Kindern besser lesen zu lernen, indem sie ihnen zuhört.

Vor mehr als zehn Jahren hat Jack Mostow, der heute an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh, Pennsylvania arbeitet, das Konzept für einen automatisierten Lesetutors entwickelt.

Die Grundidee lässt sich einfach beschreiben: Kinder lesen laut vor, und der Computer hört ihnen zu. Dafür, so Mostow, benötigte er erstens ein akustisch-phonetisches Modell, damit das Programm erkennt, ob er gerade ein S oder P vernommen hat; Zweitens ein Aussprachewörterbuch, indem steht, aus welcher Zeichenkette ein Wort besteht und drittens ein Sprachmodel, das beschreibt, in welcher Reihenfolge die verwendeten Wörter auftauchen.

Verbesserte Lesekenntnisse

Getestet wurde anfangs nur mit einer kleinen Gruppe von Kindern, im vergangenen Schuljahr waren es bereits einige hunderte Schüler, die ihre Lesekenntnisse am Computer verbesserten.

"Wir mussten auch aufpassen, dass der Reading Tutor den Kinder nicht fälschlicherweise einen Fehler vorwirft. Tatsächlich sagt der Tutor den Kindern nie, dass sie einen Fehler gemacht haben. Er sagt auch nicht: Du hast das Wort richtig ausgesprochen, denn auch das könnte falsch sein.

Es ist sehr wichtig, dass man sich der Grenzen der Technik bewusst ist. Wenn man vorgibt, dass Spracherkennung perfekt arbeitet, kann man zwar ein wunderbares Design entwerfen, aber in der Praxis wird es nicht funktionieren", meint Jack Mostow.

Jack Mostow geht vorsichtig mit Erfolgsmeldungen um, aber zumindest in kleinen Testgruppen konnte das Programm reüssieren: Kinder, die acht Monate lang den Tutor täglich verwendeten, schnitten in einem Vergleichstest dreimal besser beim Lesen ab als eine Kontrollgruppe.

Es geht um Selbstvertrauen

Die beteiligten Lehrer in Pittsburgh gestanden dem "Reading Tutor" zu, die Motivation der Kinder zu fördern und ihr Selbstvertrauen zu stärken. Aber niemand, auch nicht Jack Mostow von der Carnegie Mellon Universität geht soweit zu behaupten, eine Sracherkennungssoftware könne einen menschlichen Tutor ersetzen.

Der "Reading Tutor", so Jack Mostow, erfüllt die gleiche Funktion wie die Stützräder beim Fahrrad: Er nimmt Kindern die Scheu vor dem lesen.

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