Copyright-Streit über Tom-Cruise-Video

usa
17.01.2008

Gawker Media vs. Scientology

Die US-Organisation Scientology hat den New Yorker Journalisten Nick Denton am 15. Jänner aufgefordert, ein Werbevideo der Organisation mit dem Schauspieler Tom Cruise von seiner Website Gawker zu entfernen. Denton verstoße mit der Publikation des Videos gegen das Copyright der Organisation.

Copyright und öffentliches Interesse

Das Video war zuerst auf Googles Videoportal YouTube erschienen. Nachdem es von dort heruntergenommen worden war, wurde es am Dienstag von Denton auf Gawker im Rahmen seiner Berichterstattung über die öffentliche Kontroverse über die unautorisierte Cruise-Biografie, die der britische Journalist Andrew Morton über den US-Schauspieler Cruise verfasst hat, veröffentlicht.

In einem Antwortschreiben vom Mittwoch, in dem Dentons Verlag Gawker Media auf die Abmahnung des von Scientology beauftragten Anwaltsbüros reagiert, hat sich der Verlag nun geweigert, das Video herunterzunehmen.

Gawker Media beruft sich dabei auf den Rechtsgrundsatz des "Fair Use", der die unautorisierte Verwendung von Copyright-geschütztem Material unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt - wozu auch die Berichterstattung im öffentlichen Interesse gehört. In einem Posting auf Gawker wirft Denton Scientology vor, ihn mit den Mitteln der Copyright-Gesetzgebung als Kritiker zum Schweigen bringen zu wollen.

Analyse der EFF

Das von der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation [EFF] und zahlreichen juristischen Fakultäten an US-Universitäten getragene Chilling Effects Clearinghouse, das unter anderem die Auswirkungen restriktiver Copyright-Gesetzgebung auf die Möglichkeiten zu freier Meinungsäußerung im Netz untersucht, hat den Fall bereits in seiner Sammlung dokumentiert und analysiert.

In den Kommentaren bei Chilling Effects stellen die Juristen unter anderem fest, dass sich bei vergleichbaren Streitfällen in der Vergangenheit die Frage als besonders wichtig herausgestellt hat, ob das veröffentlichte Material dazu geeignet sei, das Marktbedürfnis nach dem Originalmaterial zu ersetzen.

Je weniger das der Fall sei, etwa bei Parodien, Kritiken und eben im Rahmen aktueller Berichterstattung, desto eher seien die Gerichte dazu geneigt, eine unautorisierte Publikation Copyright-geschützten Materials im Rahmen der Fair-Use-Regelung zu erlauben.

(futurezone | Gawker)