Speicher für persönliche Geschichte
Die Betreiber des werbefinanzierten Portals miomi wollen die persönlichen Erlebnisse ihrer Nutzer in Kontext mit Ereignissen der Weltgeschichte bringen. Die Anschubfinanzierung für das Projekt kommt von einem britischen Investmentfonds.
Was haben Sie gerade gemacht, als die beiden Flugzeuge ins World Trade Center geflogen sind? Oder weniger dramatisch und weltbewegend: Was haben andere Menschen erlebt damals, an diesem Tag, an dem Sie die Liebe Ihres Lebens kennengelernt haben? Menschen unterhalten sich gerne darüber, wie sich private Erlebnisse mit dem Lauf der Welt kreuzen, haben Thomas Whitfield, Richard Schreiber und Karlheinz Toni beobachtet. Und sie dachten sich, dass das Internet dabei helfen könnte, sich über Momente des Lebens auszutauschen.
"Design the time" hieß ihre Idee für eine passende Internet-Anwendung ursprünglich. Vor kurzem ging sie unter dem Namen miomi online – mit noch größeren Ambitionen: Miomi solle das Tagebuch der Welt werden, sagt Whitfield.
Geschäftsideen aus München
Whitfield stammt aus Bayern, hat schottische Wurzeln und schreibt eigentlich an der Universität Oxford seine Doktorarbeit in Biochemie. Toni stammt aus Tirol und arbeitet, genauso wie Schreiber, an der TU München an seiner Dissertation in Informatik. Whitfield und "Charly" Toni lernten einander vor etwa eineinhalb Jahren an der Bayerischen Elite-Akademie in München kennen - beide sprühend vor Geschäftsideen.
Gemeinsam entwickelten sie die Idee einer Website für die Verbindung von historisch relevanten Daten und persönlichen Erinnerungen und reichten sie bei einem Businessplan-Wettbewerb ein, bei dem sie schließlich den ersten Preis abräumten.
Der Blankoscheck
Ursprünglich sollten das 5.000 Britische Pfund sein, doch den Sponsoren von Brightstation Ventures [BSV] gefiel die Idee so gut, dass sie gleich einen riesengroßen Scheck ausstellten, auf dem stand: "Whatever it takes".
Warten auf die Nutzer
Weil BSV insgesamt 100 Millionen US-Dollar Kapital investieren könne, kolportierten einige Medien gleich, die jungen Entrepreneure hätten 100 Millionen Dollar für ihre Idee bekommen - was nicht stimme, wie Whitfield betont. BSV stelle das nötige Geld sukzessive zur Verfügung - nach Erreichen der jeweiligen Meilensteine.
Nach einigen intensiven Monaten, in denen Whtifield, Toni und Schreiber nach London übersiedelten, ihr Team auf 15 Leute aufstockten und einen CEO anheuerten, ging die Betaversion der Website im Oktober tatsächlich online. Jetzt warten sie darauf, dass die Nutzer in großen Mengen ihre Erinnerungen und ihre Sicht historischer Ereignisse in Text, Foto, Video und Audio eingeben.
Vorhandenes Rekombinieren
Die Nutzer können das gratis tun, finanzieren soll sich die Website über Werbung. Die Daten zu historisch relevanten Ereignissen kommen von Microsoft, Wikipedia, Nachrichtenagenturen und anderen Quellen, die technischen Bausteine sind großteils existierende Elemente des Web 2.0.
Die Zeitleiste, erzählt Whitfield, hätten sie sich aber patentieren lassen, das soll Einkommen für miomi generieren. Vermutlich werden die drei ihr "Tagebuch der Welt" jedoch nicht lange behalten, sondern bald gewinnbringend verkaufen wollen; denn auf einer Liste auf dem Notebook liegen angeblich noch Tausende andere Geschäftsideen.
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(matrix | Sonja Bettel)
