29.08.2004

MATRIX FORUM

Hinter den Kulissen der Ars Electronica

Wer die Gewinner der "Golden Nicas" des "Prix Ars Electronica 2004" sind wurde Ende April von einem 37-köpfigen Juroren-Team entschieden. Drei Tage lang wurden aus tausenden Einreichungen die besten Projekte ausgewählt.

Ein Blick hinter die Kulissen

In abgedunkelten Räumen werden mehr als hundert Computeranimationen gesichtet, für die Kategorie "Digital Music" wird in mehrere hundert Tracks fastforward reingehört, für "Net Visions" unzählige flash-animierte Websites durchgeklickt, bei "Interactive Art" Konzepte und Installationen anhand von Dokumentationsmaterialien diskutiert und beim kreativen Nachwuchs in der Kategorie U19 wird unter vielen, ähnlich engagierten Schul-Projekten nach dem einen Werk gesucht, das hervorsticht.

Neu sind heuer die Kategorien "Next Idea", ein Ideenpool an realisierbaren zukunftsweisenden technischen Konzepten und "Digital Communities". In der prominent besetzten Community-Jury waren neben Howard Rheingold auch der italienische Fotograph Oliviero Toscani oder Jane Metcalfe, die Gründerin des Kultmagazins Wired vertreten.

Von Pixar bis hin zu Studentenarbeiten

Doch wie kommen die Juroren in so kurzer Zeit zu einer gemeinsamen Entscheidung? Kein leichtes Unterfangen, meint Virgil Widrich, Jury-Mitglied in der Kategorie Computeranimation. "Ich selbst finde diese schmutzigen, kleinen Filme spannend und der Gewinner gehört da auch dazu." Für die bunt gemischte Jury war sehr schell klar, dass nicht die technische Perfektion sondern die Qualität der Erzählung das spannende Kriterium ist, erzählt der Wiener Filmemacher und Produzent, der für seinen Kurzfilm Copy-Shop bereits selbst einige internationale Auszeichnungen erhalten hat und sogar für den Oscar nominiert wurde.

Die Bandbreite der eingereichten Projekte reichte von Computeranimationen made in Hollywood, wie "Finding Nemo" von Pixar bis hin zu experimentellen Studentenarbeiten.

Goldene Nica für "Ryan"

Das diesjährige Siegerprojekt überzeugte durch seine originelle Idee und berührende Geschichte. "Ryan", lautet der Titel des Films, ein Mix aus Dokumentarfilm und Computeranimation. Portraitiert wird ein gescheiterter Animationskünstler, der in den 60er Jahren für den Oskar nominiert wurde und heute als Sandler in den Straßen von Kanada lebt.

Protagonist und Interviewer reden über das Leben und die Kunst der Animation und werden gleichzeitig selbst zu animierten Figuren. "Eine sehr ungewöhnliche Mischung aus Realfilmsequenzen und gezeichneter Animation", zeigt sich Virgil Widrich nachhaltig beeindruckt. "Wir haben ja hunderte Filme gesehen und nach diesem Film war es 30 Sekunden lang still im Raum und auch das Mädchen, das den Projektor bediente, hat es nicht gewagt, den nächsten Film zu starten."

Commons & Communities

Im Rahmen des "Prix Ars Electronica Forum" finden in Kooperation mit der Ö1-Sendung matrix zwei Konferenzen zum Thema "Commons & Communities - Social Life in the Digital Age" statt. Lawrence Lessig (Creative Commons) und Howard Rheingold, die Gewinner der Kategorien "Netvision" und "Digital Communities" und andere Experten erörtern die soziale und politische Relevanz der digital Commons und der neuen Gemeinschaften.