22.08.2004

ANALYSTEN

Google muss erwachsen werden

Mit Googles Börsengang hat sich das einstmalige Garagenunternehmen de facto über Nacht zu einer Firma mit Milliardenwert gemausert.

Bislang musste das Unternehmen seine Geschäftszahlen nicht offen legen, doch ab jetzt muss sich Google auch der Verantwortung gegenüber seinen Aktionären stellen. Damit ändert sich nicht nur der Einflussbereich der beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin, Google wird auch zum scharf beobachteten Marktführer bei der Online-Suche.

Diesen Effekt hatten wohl auch Page und Brin im Hinterkopf, als sie im Börsenprospekt "nicht bösartig zu sein" als einen der obersten Grundsätze postulierten. "Google ist keine gewöhnliche Gesellschaft. Und wir wollen auch keine werden", schrieben Page und Brin in einem Brief an künftige Aktionäre.

Doch nun stellt sich die Frage, in welche Richtung Google sich wohl weiterentwickeln könnte. Nur von bezahlten Sucheinträgen wird das Unternehmen in Zukunft kaum leben können, zumal das Geschäftsfeld von Konkurrenten wie Yahoo und in naher Zukunft auch Microsoft bevölkert wird.

Konzentration birgt Risiken

So warnten Analysten bereits vor dem Börsengang, dass die fast ausschließliche Konzentration auf einen Umsatzbringer auch Risken birgt. Zwar weitet Google sein Werbeangebot immer wieder aus, unter anderem auch durch Services wie Gmail, aber das könnte auf lange Sicht dennoch nicht genug sein.

"Suche ist kein Geschäft", meint Allen Weiner von Marktforscher Gartner, sondern vielmehr eine riesengroße horizontale Technologie, in die Google unaufhörlich hunderte Millionen von Dollar investieren müsse, um sie stark zu machen.

Weiner und auch Nate Elliott von Jupiter Research sehen in Google eine Medien-Firma. "Sie werden bis zum letzten Tag sagen, dass sie eine Technologie-Firma sind", meint Elliott, "aber 98 Prozent ihrer Umsätze kommen aus der Werbung."

Laut Weiner könnten Yahoo und Microsoft auf lange Sicht einen Vorteil daraus ziehen, dass sie auch eigenen Content anbieten, der ebenfalls durchsucht werden könnte. So hat Microsoft beispielsweise mit MSNBC Zugriff auf ein großes Videoarchiv.

Visionen reichen nicht

Neben seiner Online-Suche ist Google aber auch für seine Ideenschmiede Google Labs bekannt. Die Google Labs zum Beispiel haben einen Weg gefunden, die Preissuche Froogle auch auf dem Handy nutzbar zu machen, damit Käufer direkt im Geschäft Preisvergleiche anstellen können.

In dem, mittlerweile berühmten, Playboy-Interview mit den beiden Google-Gründern gaben diese bereits einen Ausblick auf zukünftige Möglichkeiten und wohl auch Geschäftsmodelle.

Page und Bring sagten gegenüber dem Playboy, dass in Zukunft User mit ihrem Handy eine Nummer anrufen und dort einen Suchbegriff angeben und das Ergebnis dann auf ihren Handy erhalten könnten.

Visionen, die bislang ein wichtiger Teil von Google waren, werden den Aktionären jedoch als zukünftige Geschäftsaussichten kaum reichen. Google müsse sich auf das Image der Marke konzentrieren, meint Weiner. "Von dem Tag an, an dem du an der Börse bist, ändert sich die Wahrnehmung der Marke und du musst die Kontrolle behalten."