MTV holt sich Hollywood ins Haus
Der zur Viacom-Gruppe gehörende Musiksender MTV und Hollywood-Produzent Jerry Bruckheimer gehen gemeinsam neue Wege: Sie wollen künftig Videospiele entwickeln. Bruckheimer will Games einen "neuen Look" verpassen, während MTV den Draht zur passenden Zielgruppe hat.
Der Deal zeigt einmal mehr, welchen Stellenwert Computerspiele und die dahinter stehende Industrie heute haben - vor allem in finanzieller Hinsicht.
Hohe Wachstumsraten bei Games
Zwar ist die Games-Branche noch deutlich kleiner als die Filmindustrie, weist aber weitaus stärkere Wachstumsraten auf.
Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers prognostiziert der Gaming-Industrie laut "Wall Street Journal" 2007 einen Umsatz von 37,5 Milliarden Dollar, 18,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Filmindustrie soll mit 84,3 Milliarden Dollar jedoch nur rund vier Prozent mehr als im Vorjahr umsetzen.
"Neuer Look" für Games
Beide Seiten sind frisch im Games-Business und setzen auf neue Konzepte. Bruckheimer, der für Blockbuster wie "Fluch der Karibik" und TV-Serien wie "CSI" verantwortlich ist, kündigte eine neue Herangehensweise an. Er wolle Videospielen einen "neuen Look" verpassen, ähnlich wie er das im TV mit "CSI" geschafft habe.
Auch MTV ist relativ neu im Games-Geschäft: Der Musiksender hatte erst vor kurzem Harmonix gekauft, das Studio hinter dem erfolgreichen "Rock Band", und angekündigt, bis 2009 rund 500 Millionen Dollar in den Gaming-Bereich investieren zu wollen.
In der Games-Branche verteilen sich gerade die Mächte neu: Der unerwartete Merger von Activision und Vivendi könnte dem bisher größten Videospieleproduzenten Electronic Arts [EA] zu schaffen machen. Durch den Zusammenschluss mit Vivendi ist Activision im Handumdrehen zu einem gleichwertigen Konkurrenten aufgestiegen.
Offen für alle Genres
Nun soll im kalifornischen Santa Monica ein Entwicklungsstudio aufgebaut werden, das laut Bruckheimer offen für alle Genres - von Shooter-Spielen bis zur Kinderunterhaltung - ist. Zwar seien noch keine konkreten Projekte in Arbeit, laut Plan sollen erste Titel aber so schnell wie möglich veröffentlicht werden.
Welches Startbudget das neue Studio bekommt, wurde nicht bekannt. Die Entwicklung von erfolgreichen Game-Klasikern wie "Halo 3" [Microsoft] und "Call of Duty" [Activision] soll laut Brancheninsidern zwischen 20 und 30 Millionen Dollar gekostet haben - mit Erfolg. "Halo 3" hat etwa in der ersten Verkaufswoche weltweit 300 Millionen Dollar eingespielt.
Spin-offs für TV und Kino
Van Toffler, Präsident der MTV Networks, erklärte, dass die selbst entwickelten Spiele durchaus auch Spin-offs in Kino und TV mit sich bringen könnten. Den umgekehrten Weg, nämlich auf Bruckheimers Werken basierende Spiele, wolle man aber nicht gehen, weil die Rechte dafür bereits vergeben seien.
Tatsächlich hat sich in der Vergangenheit auch immer wieder gezeigt, dass auf Kinoklassikern wie etwa "Matrix" basierende Games nicht den erwarteten Erfolg mit sich brachten. Andersherum war das schon der Fall, wie etwa im Falle "Lara Croft", die den Sprung von den Spielekonsolen auf die große Leinwand schaffte.
Entwickelt wurde die Figur der Lara Croft 1996 von der englischen Computerspielefirma Eidos.
"Spiele anspruchsvoller geworden"
Bruckheimer begründete seinen Gaming-Vorstoß damit, dass die Spiele viel anspruchsvoller geworden seien - auch durch die ausgeklügelte Technik von Spielekonsolen wie Sonys PlayStation 3 und Microsofts Xbox 360.
"Es hat sich viel mehr in Richtung Storytelling entwickelt", so Bruckheimer. "Mittlerweile werden viele Techniken eingesetzt, die wir auch verwenden."
Hollywood und die Games
Bruckheimer ist nicht die erste Hollywood-Größe, die sich ins Game-Geschäft wagt. Regisseur Steven Spielberg hat etwa einen Vertrag mit dem Spielestudio Electronic Arts, das ihn für drei Spiele verpflichtete.
Peter Jackson drehte "King Kong" fast gleichzeitig als Film und als Spiel. Und John Woo entwickelte als Sequel zu seinem Film "Hard Boiled" das Spiel "Stranglehold".
Jackson, der mit großem Erfolg J. R. R. Tolkiens Epos "Herr der Ringe" verfilmte, hat sich mit Microsoft in der neuen Firma Wingnut Interactive zusammengefunden, um neue interaktive Unterhaltungsangebote zu erstellen.
(futurezone | Reuters | Wall Street Journal)
