Austro-Pokerpläne stören Schweden

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17.12.2007

"Glaubwürdige Glücksspielpolitik"

Die Österreichischen Lotterien planen im Frühjahr den Start eines neuen Online-Pokerspiels. Das Know-how dafür soll vom schwedischen Glücksspielmonopol Svenska Spel und der ebenfalls schwedischen Software-Firma Boss Media kommen. Der geplante Deal ist der Regierung in Stockholm jedoch ein Dorn im Auge, weil er eine Beteiligung von Svenska Spel an den österreichischen Pokereinnahmen vorsieht, berichtete die schwedische Nachrichtenagentur TT.

Glücksspielmonopol bedroht

Die schwedische Regierung hatte heuer Auslandsplänen des Staatsmonopols bereits zweimal die Genehmigung verweigert, weil sich Schweden dadurch in seiner Argumentation hinsichtlich der Bewahrung des Glücksspielmonopols in der EU gegenüber Brüssel geschwächt fühlt.

Zuerst erhielt Svenska Spel im Frühjahr ein Nein bezüglich Expansionsplänen in Litauen, im Herbst stoppte die Regierung die geplante Vernetzung des künftigen österreichischen Online-Pokers mit dem in Schweden bereits etablierten.

Nun soll die Kooperation mit den Österreichischen Lotterien offenbar stattdessen über die Zurverfügungstellung der Software gegen eine gewisse Beteiligung am Gewinn erfolgen. In Letzterem sieht der für Glücksspiele zuständige Unterstaatssekretär im Finanzministerium in Stockholm, Per Jansson, ein Problem: "Wenn sie den Österreichern mit einer Interface-Lösung helfen, dann ist das vollkommen in Ordnung. Ich würde es aber als sehr unglücklich ansehen, wenn unser Spieleunternehmen eine direkte Gewinnbeteiligung fordert. Wir müssen ja eine gewisse Glaubwürdigkeit der schwedischen Glücksspielpolitik aufbauen", sagte Jansson am Montag gegenüber Agenturjournalisten.

Frage der Genehmigung

Bis kommendes Frühjahr sollen die Voraussetzungen für die Genehmigung der gesamten Internet-Pokertätigkeit des schwedischen Staatsmonopols erneut geprüft werden. Die derzeitige Betriebsgenehmigung für Online-Poker erhielt Svenska Spel vor zwei Jahren. Diese wurde im Herbst provisorisch verlängert. Eine Entscheidung über die Zukunft des schwedischen Online-Poker erwartet Jansson im kommenden Sommer.

Unklar ist momentan auch, inwieweit das geplante Pokergeschäft mit den Österreichischen Lotterien durch die geltende Betriebsgenehmigung gedeckt ist. In Litauen startete Svenska Spel übrigens laut dem Schwedischen Rundfunk trotz der Ablehnung seitens der Regierung verschiedene Aktivitäten wie die Übernahme von Bingohallen und Glücksspiel-Terminals in Internet-Cafes.

(APA)