Weihnachts-Spammer lügen nicht
Schwierigkeiten wie der Immobilienkrise in den USA und Streiks beim Paketverkehr in Deutschland und Frankreich zum Trotz läuft das Online-Weihnachtsgeschäft gut. Das Spam-Aufkommen spricht ebenfalls dafür, dass der Internet-Handel auch heuer wieder überproportional wächst.
Das Online-Weihnachtsgeschäft 2007 ist allen explodierenden Öl- und Nahrungsmittelpreisen, Konjunkturzweifeln und Verbraucherängsten zum Trotz bis jetzt gut gelaufen.
In den USA dämpfte die Immobilienkrise allerdings anfangs die Umsätze. Bei Familien mit einem Jahreseinkommen von bis zu 50.000 Dollar [34.000 Euro] sind seit 1. November nur zehn Prozent Wachstum im Einkaufsverhalten online gegenüber den Vergleichszahlen von 2006 festzustellen.
Der Trend
US-Haushalte mit doppelt so hohem Jahreseinkommen sorgen bis jetzt hingegen für Zuwächse von 28 Prozent im diesjährigen Online-Weihnachtsgeschäft, gaben die Marktforscher der global tätigen ComScore am Sonntag bekannt.
Gegenüber 26 Prozent Online-Wachstum 2006 halte man mit Stand vom 14. Dezember deshalb erst bei 18 der ursprünglich erwarteten 20 Prozent an Gesamtzuwächsen im heurigen Online-Weihnachtsgeschäft insgesamt, hieß es.
Die Verzögerung
Der Trend in den vergangenen Jahren zeigte allerdings, dass die Online-Einkäufe "der letzten Minute" in den USA konstant steigen.
Die bisher vorliegenden Zahlen aus Europa, wo der Start des Online-Weihnachtsgeschäfts durch ökonomische Umstände ähnlich verhagelt war wie in den USA, weisen ebenso auf ein robustes Wachstum im Online-Einzelhandel hin.
Die flächendeckenden Streiks im öffentlichen Verkehr Deutschlands und Frankreichs hatten dafür gesorgt, dass der Anlauf des Weihnachtsgeschäfts in diesen beiden einwohnerstarken Ländern Europas entsprechend schleppend war.
Shopping-Websites
Wenn an der Pünktlichkeit der Lieferung [Bahnstreik] Zweifel bestehen, dann tendiert ein Teil der Online-Shopper offenbar dazu, mit der Bestellung noch abzuwarten, weil es sich ohnehin bis Weihnachten ausgehen wird.
Das zeigen die von ComScore erhobenen Zahlen, denn ab der zweiten Novemberhälfte legte die Besuchsfrequenz im Buchungsteil der Shopping-Websites auch in Frankreich und Deutschland deutlich zu.
Buchungen in Großbritannien
Am deutlichsten zeigt sich der europäische Trend im vom Transportstreik verschonten Großbritannien.
Der Verkehr auf den per HTTPS gesicherten Sektionen der Einzelhandelswebsites stieg in den ersten drei Novemberwochen um 23 Prozent gegenüber dem Vormonat. Das heißt, dass fast ein Viertel der Besucher mehr als im Oktober bis zur Abwicklung der Bezahlung vorgedrungen sind.
Deutschland
Das korrespondiert mit den Hochrechnungen des deutschen Einzelhandels, dessen Hauptverband dem Weihnachtsgeschäft 2007 insgesamt ein Wachstum von zwölf Prozent oder 18,3 Milliarden Euro prognostiziert hatte.
Der Online-Handel war in den letzten Jahren EU-weit prozentuell stets viel kräftiger gewachsen als das Gesamtweihnachtsgeschäft.
Die Spammer
Weil das natürlich auch den Spammern bekannt ist, steigt die Frequenz der absolut unerwünschten Nachrichten auch heuer jahreszeitlich bedingt stark.
Laut Zählung des auf Online-Sicherheit spezialisierten Software-Anbieters Symantec wurde bereits zur Halbzeit des Advents ein ähnlich hoher Anstieg der Spams wie im bisherigen Rekordjahr 2006 in Aussicht gestellt. Gegenüber dem Jahresschnitt von unter 60 waren bis Mitte Dezember 2007 bereits 71 Prozent aller E-Mails weltweit Müll.
Vergleich zum Vorjahr
Im Vorjahr hatte der Dezember mit einem Anteil von 80 Prozent Spam am gesamten Mail-Verkehr - laut Zählung von Symantec - alle Rekorde gebrochen. Der bereits jetzt erhöhte Jahresschnitt deutet heuer auf einen Zuwachs in absoluten Zahlen hin.
Die Einschätzung von ComScore geht in dieselbe Richtung. Die wachsende Besucherzahl in den Bestellsektionen des Online-Einzelhandels ist viel aussagekräftiger, als sie es noch vor wenigen Jahren war. Für immer mehr Leute sind die Bestellmechanismen im Netz inzwischen zur Routine geworden.
Wer den digitalen Warenkorb einmal gefüllt hat, will und kann dessen Inhalt wie im analogen Leben in der Regel auch bezahlen.
Der weltweite Trend
Interessanterweise wird Symantecs globale Spam-Marketing-Liste bezogen auf das Mail-Volumen nahe Weihnachten von Laptops im untersten Preisbereich angeführt.
Danach folgen gefälschte Markenuhren, Billig-Vistenkarten, HDTV und erst an fünfter Stelle rangiert der Spam-Klassiker "potenzsteigernde oder vergrößernde Mittel".
Und Österreich?
Das ist eine Statistik, die von Symantec aus dem Schnitt der weltweiten Spams "heruntergebrochen" wurde, wie es im Marketing-Rotwelsch heißt.
Sie ist deshalb für das Spam-Aufkommen in Staaten wie Deutschland und Österreich nur sehr bedingt aussagekräftig. Laut Auskunft des österreichischen Sicherheitsunternehmens Ikarus liegt der Spam-Anteil am hiesigen Gesamt-Mailverkehr auch zur Weihnachtszeit konstant bei rund 90 Prozent.
Gesucht werden deshalb mustergültige Weihnachtsspams aus dem deutschen Sprachraum, die Ergebnisse werden hierzuorts veröffentlicht. E-Mails bitte an tante.jutta@orf.at.
(futurezone | AP | Reuters | Bloomberg TV)
