Computer und Umwelt verschmelzen
"Was mich wundert ist, dass die Welt innerhalb meines Computers keine Ahnung von der außerhalb hat. Denn was immer ich zu tun habe, es betrifft beide Welten", so Scott Klemmer, Dozent an der Standford Univerität in Kalifornien. Er entwickelt sogenannte "tangible Interfaces".
"Wenn ich beispielweise einen Konferenzvortrag am Computer schreibe, weiß mein Computer nicht, dass das Handbuch in dem ich etwas nachschlage ein essentieller Teil meines Vortrags ist."
Ausgehend von der Arbeitsweise von Webdesignern hat Scott Klemmer das Programm "The Designer's Outpost" entwickelt, das nun eine direkte Interaktion von Wand und Computer ermöglicht.
Mit seinem Programm "Papier-maché" soll es in Zukunft möglich sein, zum Beispiel eine interaktive Wand mit relativ geringem Zeitaufwand zu programmieren.
Scott KlemmerSpeech to Text
Einen Schritt in Richtung "unsichtbare Computer" geht auch der Informatiker Steve Whittaker. Er ist Informatik-Professor an der Sheffield University in Großbritannien und hat für das amerikanische Telefonunternehmen AT&T vor einiger Zeit eine Software entwickelt, die aufgenommene Sprache transkribiert. Damit können Nachrichten von einer Mobiltelefon-Mailbox in Text umgewandelt und per e-mail an den User geschickt werden.
"Wir wollen jetzt erreichen, dass gesprochene Sprache zu durchsuchbarem Text wird", erklärt Steve Whittaker und verweist auf andere praktische Anwendungen: "Wenn sie beispielsweise ein Interview mit mir machen und später eine bestimmte Aussage von mir suchen, bleibt ihnen nichts anderes übrig als ein wenig vor und zurückzuspulen, bis sie die Stelle gefunden haben." Nicht nur bei Interviews sondern auch bei Vorträgen, Diskussionen oder Sitzungen wäre eine automatisierte Verarbeitung von Gesprochenem eine Arbeitserleichterung für viele Berufsgruppen.
Text hat im Unterschied zu Audio den Vorteil, dass man leichter damit umgehen kann. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Text bis zu 3 mal schneller verarbeiten lässt als gesprochene Sprache.
Steve Whittaker hat mit seinem Team einen "Tablet PC" entwicklet, der während der Aufnahme als elektronischer Notizblock fungiert. Mit einem speziellen Stift kann man Notizen machen, die an die jeweiligen Stellen im Audiofile gekoppelt werden.
"Wenn ich später auf die Notiz klicke, kann ich mir einfach anhören, was der Vortragende bei diesem Marker gesagt hat."
Steve WhittakerHeute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Aus Alltagsgegenständen werden so genannte "tangible Interfaces"
um Benutzern eine direkte Interaktion mit dem Computer abseits von
Maus und Tastatur zu ermöglichen. Der Computer soll aus dem
Bewusstsein der Benutzer verschwinden und seine Arbeit unbeobachtet
im Hintergrund verrichten. Wände, die zu Interfaces werden und
Alltagsgegenstände, die zu Computer Input Devices werden - die
vernetzte Zukunft birgt aber auch Gefahren des Missbrauchs. Astrid
Schwarz sprach mit Scott Klemmer von der Stanford University in
Kalifornien und Steve Whittaker von der Sheffield University in
Großbritannien über "ubiquitous computing". Im zweiten Beitrag geht
Mariann Unterluggauer der Frage nach, wie das ideale Keyboard
aussehen könnte.
Keyboard-Design
matrix zum Download für Ö1-Clubmitglieder
