Antiker Synthesizer, zimmerfüllend
Joe Paradiso, Leiter der "Responsive Environments Group" am MIT Media Lab in Boston, hat zwischen 1974 und 1988 einen modularen Synthesizer gebaut, der sein ganzes Wohnzimmer ausfüllte und jetzt im Keller seines Hauses steht. Dieser Synthesizer wird Anfang September bei der Ars Electronica in Linz zu hören und zu sehen sein.
Paradiso war schon mehrmals mit seinen Projekten bei der Ars Electronica: 1996 fand bei der Ars Electronica die Europa-Premiere der "Brain Opera" statt, einer interaktiven Musikmaschine mit Hyperinstrumenten, für die Paradiso die Sensoren entwickelt hat. Die "Brain Opera" ist mittlerweile dauerhaft im "Haus der Musik" in Wien untergebracht ist. 2001 war "The Responsive Window" im Ars Electronica Center zu sehen - ein Fenster, das auf Klopfen mit interaktiven Grafiken reagiert.
Musik ist für Joe Paradiso besonders wichtig. Der ausgebildete Elektrotechniker und Physiker aus den USA komponiert neben seinem Job als Wissenschaftler seit Mitte der 70er Jahre elektronische Musik und war in der Avantgarde-Musikszene aktiv.
Keyboard of the MonthMusik als Interface
Musik, Computer und Elektronik sind nicht nur der Zeitvertreib von Joe Paradiso, sondern auch der Inhalt seiner Forschungsarbeit am MIT Media Lab in Boston.
Paradiso leitet dort die "Responsive Environments Group" und entwickelt mit seinen Studenten Dinge, die denken können und auf ihre Umgebung reagieren. Die Musik dient dabei häufig als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, denn: "Es macht Spaß, es ist motivierend und man kann die Dinge gut zum Laufen bringen. Die Musik ist sozusagen das Schlagobers auf dem Kuchen, sie macht den Geschmack aus, aber dahinter steckt mehr."
Responsive Environments GroupSchuhe machen Musik
Ein gutes Beispiel dafür sind die Sensorschuhe, die Paradiso ebenfalls 2001 bei der Ars Electronica vorgeführt hat. Es sind Turnschuhe, die mit einem Haufen Sensoren ausgestattet sind und mit denen ein Tänzer durch verschiedene Bewegungen die Musik steuern kann.
Aus dem verrückt klingenden Projekt ist mittlerweile ein Schuh entstanden, der die Diagnose und Therapie von Geh-Problemen einfacher und kostengünstiger machen soll. Die Schuhe könnten damit aufwendige Bewegungsmessungen ersetzen, die derzeit nur in speziellen Labors durchgeführt werden können.
Eine Zielgruppe für die Sensor-Schuhe sind zum Beispiel Menschen, die beim Gehen die Füsse falsch belasten. Der Schuh kann den einseitigen Druck messen und darauf mit dissonanter Musik reagieren. Ist die Belastung richtig, wird die Musik harmonisch.
Joe Paradiso sieht aber viele Einsatzmöglichkeiten für den Sensorschuh und ähnliche Anwendungen: "Auch gesunde Menschen könnten damit trainieren. Sie könnten einen Walkman oder einen Taschencomputer benützen, der drahtlos mit Sensoren kommuniziert, die man an verschiedenen Körperstellen trägt. Das könnte Informationen für das richtige Training und den Trainingserfolg liefern."
Das Innenleben der Sensor-SchuheDer Über-Anstecker
Unzählige Sensoren in kleinen Dingen unterzubringen ist die Spezialität der "Responsive Environments Group". Das absolute Über-Ding ist der "Uberbadge". "Uber" steht für "ubiquitous experimental research", ist aber auch ein Spiel mit dem deutschen Wort "über".
Es ist ein tragbarer Anstecker, etwa vier mal sechs Zentimeter groß, auf dem sechs mal acht LEDs drauf sind. Der Anstecker erkennt via Infrarot, wohin der Träger gerade schaut und mit wem er spricht. Er kann außerdem drahtlos mit anderen Ansteckern oder einer Basisstation kommunizieren.
Er hat viele Sensoren und ein Mikrofon und kann Töne aufnehmen oder hören und darauf reagieren. Bei Konferenzen und anderen Events könnte man damit Nachrichten verschicken oder nach einer bestimmten Person suchen.
The UbEr-BadgeHeute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Im Gespräch mit Sonja Bettel erzählt Joe Paradiso, an welchen neuen verrückten Ideen seine "Responsive Environments Group" gerade arbeitet.
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