Massenphänomen Lizenzpolitikverdruss
Software hat ihren Preis. Diese Aussage ist verständlich und nachvollziehbar. Ein wenig schwieriger wird es, wenn man versucht, die Lizenz- und Preispolitik der kommerziellen Software-Häuser zu verstehen.
Die Frage nach dem Preis von Software wird dann schnell zu einer Wissenschaft. Die Hersteller unterscheiden da beispielsweise zwischen Privat- und Großkunden, Desktop-Anwendungen und Firmensoftware, die im Netz läuft.
Adobe, so Silke Fleischer, Produktmanagerin für "Adobe Captivate", ein Publikationswerkzeug für Anwendungen im Bereich E-Learning, habe für die Lizenzierung dieses Programms ein Punktesystem entwickelt: Je mehr Produkte der Kunde kauft, umso mehr Punkte erhält er - und damit auch mehr Rabatt. Gut durchschaubar ist dieses Schema trotzdem nicht, denn es gibt darin noch Aufschläge und Abzüge für unterschiedliche Produkte und Features.
Generell erhalten Schüler und Studenten bei einigen Anbietern Preisnachlass - und natürlich zahlt es sich aus, die Software-Preise bei diversen Händlern zu vergleichen. Der Vertrieb in einigen Firmen hat bei den Verhandlungen mit den Händlern durchaus einen Spielraum.
Komplizierte Vorschriften
Besonderen Einfallsreichtum beweisen die kommerziellen Software-Firmen, wenn es um die Lizenzierung ihrer Produkte geht: Lizenzen können pro Rechner vergeben werden, pro Arbeitsplatz oder pro Person.
Eine Lizenz kann durchaus die Installation auf mehreren Rechnern erlauben, etwa für ein Standgerät und einen Laptop, aber auch für drei Geräte in einem Netzwerk.
Das Abrechnungsmodell von Oracle, nämlich die Lizenzierung pro Prozessor, erregte vor ein paar Jahren in der Branche Aufsehen. Heute wird in Marketingabteilungen ein anderes Modell als neu und zukunftsweisend gehandelt: es nennt sich "Software as a Service". Die Anbieter solcher Dienste laufen unter dem Kürzel ASP - "Applikation Service Provider".
Vom Desktop ins Netz
Silke Fleischer: "Bei Adobe haben wir gerade zwei solche Anwendungen im Betastadium auf dem Markt. Den Online-Editor 'Buzzword' und unser Service 'Share', mit dem der Nutzer Dokumente auf einen Server laden kann, um sie mit anderen Usern zu teilen. 'Share' ist bis zu einem gewissen Grad frei verfügbar. Wenn sie jedoch mehr Funktionen wünschen, dann zahlen sie dafür eine monatliche Gebühr. Derlei Dinge funktionieren sehr gut, weil Sie keine Software mehr auf ihrem eigenen Maschinen installieren müssen. Ich denke, das ist eine gute Kombination: Man kann Inhalte im Netz verfügbar machen und für Mehrleistungen zahlt man eine Gebühr."
Den Betrieb der kostenlosen Varianten solcher Dienste finanzieren die Anbieter meistens über Werbung, die Premium-Dienste kosten dann Abonnementgebühren.
Kontrolle über Online-Anwendungen
Vor kurzem wurde eine neue Studie veröffentlicht, die vom Kopierschutz-Hersteller macrovision in Auftrag gegeben worden ist. Erhoben werden sollten Trends bezüglich Software-Preispolitik und Lizenzierungsmethoden, sowie der Möglichkeiten, diese durchsetzen und kontrollieren zu können.
Befragt wurden über 200 IT-Manager und Software-Unternehmen. Das Ergebnis: "Software as a Service" stehe zwar bei den Unternehmen an erster Stelle der Beliebtheitsskala, aber nicht bei den Kunden. Für erstere ist dieses Modell wohl auch deswegen so interessant, weil sie damit mehr Kontrolle über die ordnungsgemäße Nutzung ihrer Software erhalten.
Schließlich kann das Nutzerverhalten online überprüft und kontrolliert werden. Geht eine Software in den Besitz der User über, ist das weitaus schwieriger. Zur Kontrolle dienen Updates, Seriennummern und es werden auch vermehrt Audits durchgeführt.
Kunden mit Lizenzpolitik unzufrieden
Ein weiteres Ergebnis der Studie besagt, dass der Unterschied zwischen der Zufriedenheit von Anbietern und Käufern bezüglich Preis- und Lizenzpolitik seit Jahren immerhin 28 Prozent betrage.
Zufrieden sind die Anbieter, aber nicht unbedingt die Kunden. In Europa wundert man sich zum Beispiel darüber, warum Software, trotz des starken Euros, noch immer so viel teurer ist als in den USA. Die Gründe dafür, so Silke Fleischer sind die Kosten für Regionalisierung, zusätzliche Tests, unterschiedliche Regulierungen und Marktbedingungen im Bereich Wettbewerb und Werbung. Und all das spiegle sich im Preis wider.
Ausweg Open Source?
Aber es gibt ja noch eine andere Art von Preispolitik: In der Open-Source- und Free-Software-Szene erspart man sich alle komplizierten Berechnungen und Werbeangebote. Die Kosten fallen an, wenn man Serviceleistungen in Anspruch nehmen oder die Software ändern lassen möchte. Service, so die Meinung von Marco Bohnsack, Chef der kleinen deutschen Open-Source-Firma data-quest, die Software-Lösungen für Universitäten anbietet, ist noch immer eine Kunst, die von den wenigsten beherrscht werde. Seiner Firma sichert sie das Überleben seit 2001.
Heute in "Matrix"
Am Sonntag, 22:30 Uhr im Netzkulturmagazin "Matrix" auf Ö1: Ebay, Recoon und Co. - wenn Internet-Shopping in die Hose geht. Und: Preispolitik bei Software.
(matrix | Mariann Unterluggauer)
