United Internet kauft weiter zu
Einstieg bei Festnetzanbieter Versatel
Der Internet-Dienstleister United Internet bringt sich für die Konsolidierung der DSL-Branche in Stellung. Das Unternehmen kaufte sich für rund 127 Millionen Euro bei dem Festnetzanbieter Versatel mit einem Anteil von 20,05 Prozent ein. Man halte sich alle Optionen offen, darunter auch, die Beteiligung an der Versatel AG weiter zu erhöhen, sagte ein Sprecher am Donnerstag in Montabaur. Laut Angaben aus Branchenkreisen erörtert United Internet [1&1, GMX, web.de] bereits die Möglichkeiten für eine Komplettübernahme, was beide Unternehmen nicht kommentierten.
Versatel strebt Expansion an
Größter Versatel-Aktionär ist der Finanzinvestor Apax, der 38 Prozent der Anteile kontrolliert. Apax äußerte sich nicht zum Aktienkauf von United Internet. Versatel-Chef Peer Knauer begrüßte hingegen den Einstieg des Wettbewerbers. "Wir freuen uns auf jeden Aktionär, der an der strategischen Weiterentwicklung und Expansion der Versatel AG interessiert ist", sagte er.
Die im TecDAX notierte Versatel AG hatte Ende September 600.000 DSL-Kunden und deckt mit ihrem Breitbandnetz rund ein Viertel der deutschen Haushalte ab. Das Unternehmen verfügt über eine starke Stellung in Ballungsgebieten wie Berlin. Erst am Freitag hatte Versatel angekündigt, ein VDSL-Netz für schnelle Datendienste aufbauen und damit der Deutschen Telekom Konkurrenz machen zu wollen. United Internet ist bereits der zweitgrößte DSL-Anbieter nach der Deutschen Telekom.
Konsolidierung auf dem IKT-Markt
United Internet gewinnt eine wichtige Rolle in der Konsolidierung auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt. Vor allem durch den Preisdruck bei Breitbandanschlüssen ist Bewegung in die Industrie gekommen. Anbieter wie Tiscali und AOL haben ihr DSL-Zugangsgeschäft bereits verkauft - mit Freenet und Tele2 Deutschland stehen weitere Gesellschaften zum Verkauf.
United Internet ist seit dieser Woche mit 9,7 Prozent auch am Mobilfunkprovider Drillisch beteiligt. Die Firmen wollen bei der Vermarktung von DSL- und Mobilfunkprodukten zusammenarbeiten. Gemeinsam prüfen die Unternehmen auch, den Wettbewerber Freenet zu übernehmen und zu zerschlagen. Zwar sind Drillisch und United Internet über eine gemeinsame Holding an Freenet beteiligt, eine Komplettübernahme klappte bisher aber nicht.
Strategische Spiele
Am Donnerstag kündigten United Internet und Drillisch an, sich vorerst mit einem Anteil von gut zehn Prozent an Freenet zufriedenzugeben. Sie würden keinen Gebrauch von ihrem Recht machen, weitere 18,49 Prozent an Freenet vom Finanzinvestor Vatas zu erwerben. Grundsätzlich hielten sie sich aber eine Anteilserhöhung offen. In Branchenkreisen hieß es, Drillisch und United Internet würden mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Gespräche mit Vatas aufnehmen und dabei auf einen niedrigeren Preis dringen.
(dpa)
