19.07.2004

AGENTURPROSA

"Computerhacker sabotieren Krebshilfe"

Erst machte sie Schlagzeilen, als sie eine offizielle Deutschland-Flagge bei der Online-Auktionsplattform des deutschen Zolls ersteigerte, um sie dann über ihrem Bahnhofs-Bordell zu hissen. Nun bietet dieselbe deutsche Rotlicht-Unternehmerin die Flagge bei eBay an - zu wohltätigen Zwecken.

Und ausgerechnet jetzt, da krebskranke Kinder auf eine größere Spende hoffen durften, haben "Computerhacker" einen "Sabotage-Angriff" gestartet.

Immerhin hat die Aktion ein sowohl vom Tiefgang der Recherche wie formal bestechendes Stück Agenturprosa der dpa in die Welt gesetzt, das hier nicht vorenthalten werden soll.

Originaltext dpa vom Sonntag:

Computerhacker haben die Internetversteigerung einer ausgedienten Deutschlandflagge des Reichstags sabotiert, die kurzzeitig über einem Hallenser Bordell wehte.

Eigentlich sollte die Versteigerung im Internet-Auktionshaus eBay am Samstagabend beendet sein. Nach dem Hackerangriff vom Freitagabend wurde die Auktion mit einer Sieben-Tage-Frist neu gestartet. Bis zur Sabotageaktion waren mehr als 17 000 Euro zusammengekommen.

Die Hacker bezeichneten sich selbst als "die gruppe" und nannten den Medienrummel als Motiv für die Sabotage, wie Bordell-Chefin Christine Schmittroth am Samstag mitteilte. Die 42-Jährige hatte die Flagge zur Versteigerung angeboten. "Wir sind aus allen Wolken gefallen", sagte die Bordell-Chefin der dpa. Sollte es möglich sein, auf die Spur der Hacker zu kommen, wolle sie eine Strafanzeige stellen. Es wäre furchtbar ärgerlich, wenn wegen der Sabotage weniger Geld für den Kinder-Verein zusammenkäme. Für den Verein sei die Sabotage-Aktion "ein Schlag ins Gesicht".

Die Bordell-Chefin hatte die Fahne, die einst über dem Reichstagsgebäude in Berlin wehte, vor einem Monat bei der Auktionsplattform des Zolls für 3350 Euro ersteigert und über dem Etablissement am Bahnhof gehisst. Nach vielfältiger Kritik hatte sie die Flagge wieder zur Versteigerung freigegeben. Das Startgebot lag bei 2000 Euro.