TA-Fischer kritisiert EU-Telekompläne
Die Pläne der EU-Kommission seien in einigen Punkten "absoluter Schwachsinn", sagt der stellvertretende Generaldirektor der Telekom Austria, Rudolf Fischer.
Fischer bemängelt vor allem den Plan der zuständigen EU-Kommissarin Viviane Reding, Netz- und Servicebetreiber in rechtlich getrennte Einheiten zu entbündeln, um mehr Wettbewerb zu garantieren.
"Frau Reding übersieht, dass wir in einem Transformationsprozess sind in die Next-Generation-Networks." In diesem Fall wäre die Entflechtung der Unternehmen "absoluter Schwachsinn", so Fischer. "Dort, wo heute entbündelt wird, wird morgen nicht mehr entbündelt." Das habe die Kommission überhaupt nicht berücksichtigt.
Rübig unterstützt Reding-Pläne
Unterstützung für die Kommissionsvorschläge zur Telekomregulierung zeigte dagegen der Roaming-Berichterstatter im Europaparlament und ÖVP-Abgeordnete Paul Rübig.
Eine rechtliche Entflechtung zwischen Netz- und Servicebetreiber könne auch mit Anreizen für Investitionen kombiniert werden, sagte er. "Die Wahlmöglichkeit der Industrie soll bleiben." Eine europäische Regulierungsbehörde sollte nach Ansicht von Rübig auf einer erweiterten Zusammenarbeit der nationalen Regulatoren aufbauen.
Nein zur EU-Regulierungsbehörde
Auch den Plan der Kommission, eine EU-Telekom-Regulierungsbehörde parallel zu den nationalen Regulatoren zu schaffen, wies Telekom-Vizechef Fischer zurück. Nur die nationalen Regulatoren hätten eine genaue Kenntnis der landesspezifischen Probleme.
"Kapitalmarkt wird verunsichert"
Die Unklarheit über die künftige Regulierung der Telekommärkte sorge für Verunsicherung in der Branche, meinte Fischer. Diesbezüglich habe auch der Vorschlag von Reding "nicht geholfen".
"Aber was noch ärger ist, ist, dass auch der ganze Kapitalmarkt verunsichert wird", sagte der stellvertretende TA-Generaldirektor. Viele Konzerne würden sich vor diesem Hintergrund vor Investitionen hüten, da sich diese nicht kurzfristig rechnen würden.
Aus seiner Sicht notwendige Investitionsanreize wären ein Auflassen der Endkundenregulierung, eine Abschaffung der verpflichtenden Entgelte, die noch immer vom Festnetz an den Mobilfunk gezahlt werden müssen, und "ein bisschen mehr die Marktkräfte spielen lassen".
Glasfaser-Investitionen "jenseits der Mrd."
Zurückhaltend gab sich Fischer zum geplanten Ausbau des Glasfasernetzwerks in Österreich. Ein vernünftiger Ausbau würde "jenseits der Milliarde" kosten, sagte er.
Wann und wie dieses Projekt durchgeführt werde, "hängt von den regulatorischen Rahmenbedingungen ab". In den Aufsichtsgremien seines Konzerns sei darüber noch nicht diskutiert worden. "Im jetzigen regulatorischen Rahmenfeld wissen wir nicht, wie wir uns verhalten sollen", so Fischer.
Wenn das Glasfasernetzwerk aufgebaut werde, könne der Regulator nicht "fünf Minuten später" eine Entflechtung verlangen, "dann wird es ein bisschen eng werden".
TA wehrt sich gegen VAT-Angriff
Nach der Androhung von Schadenersatzklagen wegen der Triple-Play-Weihnachtsaktion der Telekom Austria und der Forderung des Verbands Alternativer Telekom-Netzbetreiber [VAT] nach einer Abschaffung der Festnetzgrundgebühr verteidigt die TA nun in einer Aussendung ihre Kostenkalkulation.
Die Vorleistungspreise der Telekom Austria lägen in keinem Fall über den Endkundenpreisen, so die TA. Man habe für den Aktionszeitraum alle Vorleistungspreise gesenkt, die Margen für alternative Betreiber blieben daher nahezu unverändert.
Der ADSL-Wiederverkaufspreis liege bei 17,48 Euro, im Falle der Verrechnung der Grundgebühr durch die TA bei 1,50 Euro, und man liege damit gemeinsam mit dem Grundentgelt von 15,98 Euro deutlich unter dem Aktionspreis von 19,90 Euro, so die TA in der Aussendung. Die Entbündelung sei im Aktionszeitraum von 10,70 auf 6,35 Euro gesenkt worden.
(APA)
