Experten warnen Anleger vor Aktien-Spam
Zwei Wissenschaftler der Universität Innsbruck haben eine neue Studie zum Thema Aktien-Spam publiziert, in der sie die Techniken der Bauernfänger auf dem grauen Finanzmarkt beleuchten.
Dass unerwünschte E-Mails mit scheinbar heißen Börseninformationen letztendlich nur ihren Absendern etwas bringen, ist versierten Anlegern schon seit längerem bekannt.
Florian Hauser und Michael Hanke vom Institut für Banken und Finanzen der Universität Innsbruck haben nun zu diesem Thema im "Journal of Financial Markets" eine neue Studie publiziert. Ihre Zahlen bestätigen, dass Anleger besser nicht in die von Spammern beworbenen Papiere investieren sollten.
Pink Sheets und "Operation Spamalot"
Im März 2007 war die US-Finanzmarktaufsicht SEC im Rahmen der "Operation Spamalot" gegen Aktien-Spammer vorgegangen. Sie nahm kurzerhand die Wertpapiere von 35 Firmen aus dem Handel.
Diese Papiere waren allerdings nicht an einer regulären US-Börse gelistet. Es waren Anteile von Firmen, die auf dem Marktplatz des New Yorker Unternehmens Pink Sheets gehandelt wurden. Firmen, die ihre Anteile auf Pink Sheets handeln, müssen nicht nach den strengen US-Richtlinien für börsennotierte Unternehmen bilanzieren. Die mangelnde Aufsicht macht die "Pink Sheets" zum idealen Spielmaterial für Aktien-Spammer.
Die Spammer schöpfen ab
Der Arbeit von Hauser und Hanke zufolge schlagen sich Spam-E-Mails mit fiktiven Börseninformationen tatsächlich in den Aktienkursen nieder. 1.241 Spam-E-Mails waren der Ausgangspunkt für die Studie. Untersucht wurden 235 auf dem US-Markt gelistete Aktien, die im Jahr 2005 im Schnitt an fünf Tagen von Spam betroffen waren.
"Auf Basis dieser Daten haben wir Spam-E-Mails bestimmten Aktien und bestimmten Tagen zugeordnet. Mittels Regressionsanalyse konnten wir an Tagen, an denen E-Mails für bestimmte Aktien eingegangen sind, systematische Effekte feststellen. Ebenso für die Tage vor und nach den Spam-Events", sagte Hauser über die Methodik hinter der Studie.
Die Tricks der Spammer
Die Tage vor Spam-Events sind insofern interessant, als sie Rückschlüsse über die Spammer und ihre typische Vorgangsweise zulassen. "Die Spammer kaufen Aktien, solange sie noch billig sind. Dann verschicken sie die Spam-Mails, hoffen, dass jemand auf die Nachricht reagiert, und verkaufen die Aktien gleich wieder", beschreibt Michael Hanke die Standardstrategie. Kauf und Verkauf erfolgen sehr kurzfristig, bei den Spammern handelt es sich also nicht um Personen, die bereits seit längerer Zeit Aktien besitzen.
Die meisten Spam-E-Mails landen zwar unbeachtet im Papierkorb, aber bereits wenige Empfänger, die auf die Nachricht reagieren, bringen dem Spammer Gewinne ein. Ziel von Spam-Attacken sind vorwiegend Penny-Stocks, also Aktien, deren Kurswert unter einem US-Dollar liegt.
Insidertipps kommen nicht gratis
"Die Titel sind so illiquid, dass vier oder fünf Investoren ausreichen, um den Kurs zu bewegen. Bei einer IBM-Aktie wäre ein solches Unterfangen völlig sinnlos", so Hanke. "Manche reagieren vermutlich im vollen Bewusstsein, dass es sich um einen Manipulationsversuch handelt, und hoffen, auch davon zu profitieren." Das sei allerdings kaum möglich, denn die positiven Kurseffekte sind auf einen Tag beschränkt, unmittelbar nach der Manipulation kommt es zu einem Kursverlust. Der Investor hat also keine realistische Chance auf Profit.
Die Spammer, die dahinter stehen, seien bestens organisiert. Dabei sei auch eine zunehmende Professionalisierung zu beobachten. Einige Spams seien kaum von echten Börsennachrichten zu unterscheiden. Wer eine E-Mail mit angeblichen Insiderinformationen erhält, kann diese allerdings auf jeden Fall mit gutem Gewissen in den Papierkorb werfen, raten die Wissenschaftler: Denn egal, wie seriös eine Nachricht wirkt - nützliche Insiderinformationen gibt niemand gratis weiter.
Der Zugriff auf Artikel im "Journal of Financial Markets" ist kostenpflichtig. Laut Auskunft auf Elseviers ScienceDirect-Portal befindet sich der Artikel derzeit im Druck. Der Titel: Hanke, Michael; Hauser, Florian: On the effects of stock spam e-mails. Weitere bibliografische Informationen sind derzeit [23.11.07] leider nicht abrufbar.
(APA | futurezone)
