11.07.2004

MATRIX FORUM

Vom Pinsel zum Pixel

Am Computer erzeugte Bilder haben eine erstaunlich lange Geschichte.

Bereits in den 1950er Jahren haben grafische Künstler begonnen, Computer als Malwerkzeuge einzusetzen.

Damals waren es allerdings noch nicht Künstler, sondern Wissenschafter, welche die kreativen Möglichkeiten von Computern zu erforschten.

Allen voran der aus Österreich stammende Herbert W. Franke, der als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Computer-Bilder gilt.

Pixel-Portraits von Popgruppen

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich gegenwärtig so genannte "Pixelkünstler", deren Arbeiten die Ästhetik früher Computerspiele mit ihren groben Rastern zitieren.

Dem jungen Engländer Craig Robinson ist vor wenigen Jahren der Durchbruch als Grafiker gelungen, indem er Popgruppen als kleine Pixelfiguren darstellte.

Robinson, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, startete 1999 seine Website Flipflopflyin.com, deren Herzstück eine Galerie mit Hunderten von Popbands in Pixelform bildet - die Größen der Popgeschichte in Miniaturausgabe, jeweils dargestellt nur mit wenigen Pixeln und von Robinson als "Minipops" bezeichnet.

Making of Minipops

Craig Robinson gibt Einblick, wie er die "Minipops" mit dem Grafikprogramm Claris Works erstellt:

"Die Standardgröße ist 25 Pixel hoch und 8 Pixel breit. Ich arbeite immer mit einem Template, weil diese Größe der durchschnittlichen Körpergröße bei Männern entspricht. Ich kann sie dann individuell größer oder kleiner machen und dicker oder dünner.

Frauenfiguren sind relativ schwierig zu machen, weil die Breite von Männernbeinen bzw. Hosenbeinen zwei Pixel beträgt. Wenn man das reduziert und Frauenbeine mit nur einem Pixel darstellt, dann wirken sie gleich magersüchtig. Wenn man zwei Pixel nimmt, sieht es aus, als ob die Frau Reithosen anhätte oder Bodybuilderin wäre."

Berlin als Pixelkunst-Metropole

Craig Robinson ist mittlerweile für seinen Pixel-Stil weltweit bekannt und ein gefragter Grafiker geworden.

Er ist allerdings nicht der einzige Pixel-Star und Pixel-Pionier, sondern er teilt sich den Ruhm mit dem Designer-Kollektiv eBoy, dessen Mitglieder wie Craig Robinson in Berlin leben.

Die Gründe für den Erfolg des Pixel-Stils sehen die eBoys primär in einer nostalgischen Verklärung früher Computerspiele. Nicht selten bekommen sie Aufträge von Firmenchefs, die mit den groben Grafiken des C64 aufgewachsen sind.

Allerdings ist nicht alles, was mit Pixeln zu tun hat, automatisch retro. Auch neue Betätigungsfelder tun sich auf: So haben eBoy etwa für den UMTS-Netzbetreiber 3 in Großbritannien spezielle Icons für die Menüoberfläche von Mobiltelefonen entworfen.

Daneben zählen auch MTV und Wired zu den Kunden des Designer-Kollektivs.