Vom Pinsel zum Pixel
Am Computer erzeugte Bilder haben eine erstaunlich lange Geschichte.
Bereits in den 1950er Jahren haben grafische Künstler begonnen, Computer als Malwerkzeuge einzusetzen.
Damals waren es allerdings noch nicht Künstler, sondern Wissenschafter, welche die kreativen Möglichkeiten von Computern zu erforschten.
Allen voran der aus Österreich stammende Herbert W. Franke, der als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Computer-Bilder gilt.
Diese frühen Computerbilder ähnelten oft Illustrationen und schematischen Darstellungen in Lehrbüchern für Physik und Elektrotechnik: Es dominierten geometrische Formen, und sinusartige Kurven und Wellen. Wie Karin Guminski, Dozentin am Institut für Kunstpädogogik der Ludwig-Maximilians-Universität in München, in ihrem Buch "Kunst am Computer" ausführt, entstanden erst in den 70er Jahren die ersten Malprogramme, die auch traditionellen Künstlern erstmals den Zugang zum Medium Computer ermöglichten.
Kunst am ComputerPixel-Portraits von Popgruppen
Besonderer Beliebtheit erfreuen sich gegenwärtig so genannte "Pixelkünstler", deren Arbeiten die Ästhetik früher Computerspiele mit ihren groben Rastern zitieren.
Dem jungen Engländer Craig Robinson ist vor wenigen Jahren der Durchbruch als Grafiker gelungen, indem er Popgruppen als kleine Pixelfiguren darstellte.
Robinson, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, startete 1999 seine Website Flipflopflyin.com, deren Herzstück eine Galerie mit Hunderten von Popbands in Pixelform bildet - die Größen der Popgeschichte in Miniaturausgabe, jeweils dargestellt nur mit wenigen Pixeln und von Robinson als "Minipops" bezeichnet.
Popgrößen im Kleinstformat
Diese "Minipops" entpuppten sich bereits wenige Wochen nach dem
Start von FlipFlopFlyin.com als wahrer Magnet, der User aus allen
Ecken und Enden des World Wide Web anzog. Begonnen hat Robinson mit
Pixel-Porträts der Beach Boys und der Beatles; danach kamen
Kraftwerk, Elvis, Blondie, die Pet Shop Boys und Prince. Heute
umfasst die "Minipops"-Galerie Hunderte von Pixel-Porträts von A wie
Abba und AC/DC bis zu Z wie ZZ Top.
MinipopsMaking of Minipops
Craig Robinson gibt Einblick, wie er die "Minipops" mit dem Grafikprogramm Claris Works erstellt:
"Die Standardgröße ist 25 Pixel hoch und 8 Pixel breit. Ich arbeite immer mit einem Template, weil diese Größe der durchschnittlichen Körpergröße bei Männern entspricht. Ich kann sie dann individuell größer oder kleiner machen und dicker oder dünner.
Frauenfiguren sind relativ schwierig zu machen, weil die Breite von Männernbeinen bzw. Hosenbeinen zwei Pixel beträgt. Wenn man das reduziert und Frauenbeine mit nur einem Pixel darstellt, dann wirken sie gleich magersüchtig. Wenn man zwei Pixel nimmt, sieht es aus, als ob die Frau Reithosen anhätte oder Bodybuilderin wäre."
Mini-Museum und Fußballer-Porträts
Neben seiner stetig wachsenden Galerie mit kleinformatigen
Pop-Größen hat Craig Robinsons Website Flipflopfylin.com aber noch
mehr zu bieten. Etwa eine Gemäldegalerie namens "MiniMoma" -
Minimuseum of Modern Art; sowie aus aktuellem Anlass: Pixel-Porträts
der bei der EM in Portugal angetretenen Fußballteams. Außerdem auf
der Site von Craig Robinson zu sehen: Animierte Kurzgeschichten -
natürlich in dem ihm eigenen grob pixeligen Look.
Craig Robinsons WebsiteBerlin als Pixelkunst-Metropole
Craig Robinson ist mittlerweile für seinen Pixel-Stil weltweit bekannt und ein gefragter Grafiker geworden.
Er ist allerdings nicht der einzige Pixel-Star und Pixel-Pionier, sondern er teilt sich den Ruhm mit dem Designer-Kollektiv eBoy, dessen Mitglieder wie Craig Robinson in Berlin leben.
Die Gründe für den Erfolg des Pixel-Stils sehen die eBoys primär in einer nostalgischen Verklärung früher Computerspiele. Nicht selten bekommen sie Aufträge von Firmenchefs, die mit den groben Grafiken des C64 aufgewachsen sind.
Allerdings ist nicht alles, was mit Pixeln zu tun hat, automatisch retro. Auch neue Betätigungsfelder tun sich auf: So haben eBoy etwa für den UMTS-Netzbetreiber 3 in Großbritannien spezielle Icons für die Menüoberfläche von Mobiltelefonen entworfen.
Daneben zählen auch MTV und Wired zu den Kunden des Designer-Kollektivs.
Katalog der Konsum- und Popkultur in Pixelform
Ihre gesammelten Pixel-Arbeiten haben eBoy 2002 in einem Buch mit
dem Titel "Hello eBoy" veröffentlicht. Das Buch ist so dick wie ein
Telefonbuch und gleicht einem Katalog der uns umgebenden Bilderwelt.
eBoy zelebrieren darin die flüchtigen und beliebig
vervielfältigbaren Motive und Sujets der heutigen Konsum- und
Popkultur.
eBoyTune in tonight
Die Pixelkünstler von eBoy kommen heute Abend in "Matrix" um
22:30 Uhr auf Ö1 ebenso zu Wort wie Craig Robinson, Herbert W.
Franke und Karin Guminski.
Vom Pinsel zum Pixel
Matrix"Matrix" für Ö1-Club-Mitglieder
Ab Sonntag 22:30 Uhr steht "Matrix - Computer & Neue Medien" für
Ö1-Club-Mitglieder auch zum Download bereit.
"Matrix" zum Download
