MCN-Pleite mit spätem Nachspiel

Gericht
22.11.2007

Justiz ermittelt gegen Georg Stumpf

Die Insolvenz des Telekomanbieters MCN Millenium Communication Networks [MCN] im Jahr 2001 hat nun ein gerichtliches Nachspiel. Wie das Magazin "Format" berichtete, ermitteln Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei in Wien gegen den damaligen MCN-Chef Stumpf.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien bestätigte auf Anfrage von ORF.at Ermittlungen gegen Stumpf wegen Betrugs und Krida. Nähere Angaben dazu machte der Sprecher nicht. Für Stumpf gilt die Unschuldsvermutung.

Irreführende Darstellung

Die wirtschaftliche Situation der MCN sei gegenüber den Gläubigern irreführend dargestellt worden. Obwohl der buchmäßige Verlust per 31. Oktober 2000 mehr als die Hälfte des Grundkapitals ausgemacht hatte, hätten die MCN-Eigentümer eine heile Welt kommuniziert, heißt es im "Format"-Artikel.

Die Strafanzeiger vermuten, dass der Ausgleich bereits im Dezember 2000 beschlossene Sache war, und kritisieren, dass die Gläubiger zu spät informiert wurden. Die seien durch den Ausgleich mit einer Quote von 40 Prozent um rund 15 Millionen Euro umgefallen, womit auch der entstandene Schaden beziffert werde.

Stumpf weist Vorwürfe zurück

Er habe keinerlei Kenntnis von Ermittlungen, sagte Stumpf gegenüber "Format" und verwies auf die ordentliche Abwicklung des Ausgleichs von einem Gericht vor fast sieben Jahren.

MCN schlitterte im Jänner 2001 mit 318 Mio. Schilling [23,1 Mio. Euro] Passiva in den Ausgleich. Den 333 Gläubigern bot das Unternehmen die gesetzliche Mindestquote von 40 Prozent an. Im März 2001 wurde der Ausgleich von den Gläubigern mit großer Mehrheit angenommen.

(futurezone | APA)