02.07.2004

IN LINZ

Poker um die Zukunft von Gericom

Nach dem vorläufigen Platzen des Deals mit dem deutschen Elektronikgroßhändler Medion [Essen] ist die Zukunft des angeschlagenen Linzer Notebook-Herstellers Gericom mehr als ungewiss.

Die von Medion angekündigte Klage zur Herausgabe des Aktienpakets sei bisher nicht eingegangen, sagte Ingo Middelmenne, bei Gericom für Investor Relations zuständig, am Freitag.

Der Deal sei nämlich noch nicht komplett vom Tisch, beide Seiten hofften "noch auf den Weg der Verständigung", zumal ein Rechtsstreit beiden Unternehmen schaden würde, meint man wenigstens bei Gericom.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Freitag Gericom-Aufsichtsratschef Stefan Pierer zitiert, der den Deal als geplatzt bezeichnete.

Gericom wieder liquid?

Oberlehner hatte sich im März zum Verkauf dieses Aktienpakets verpflichtet, im Gegenzug sollte Medion Synergien bei Vertrieb und Logistik schaffen. Medion sieht den Vertrag als zu 100 Prozent erfüllt an, Gericom nicht, weshalb die Herausgabe des Aktienpakets verweigert wurde.

"Bei Medion liegt offenbar kein Synergiebestreben vor", kritisierte Middelmenne, man habe "wichtige Vertragspunkte nicht eingehalten", die gewünschten Synergieeffekte etwa im After-Sales- und Logistik-Bereich seien für Gericom "ein wesentlicher Bestandteil des Deals" gewesen.

Sollte der Deal endgültig scheitern, wäre das "für die Gericom mit Sicherheit nicht das Ende oder Aus", zumal die Firma "mittlerweile wieder über einen guten Liquiditätspolster" verfüge.

Was seit März geschah

Mitte März hatten Gericom und Medion mitgeteilt, dass Medion mit 24,9 Prozent bei Gericom einsteigen werde. Nach Angaben von Medion wurde der Verkauf dieses Anteils am 10,9 Mio. Euro betragenden gezeichneten Kapital der Gericom AG durch die Oberlehner Deutschland Beteiligungsgesellschaft vertraglich vereinbart.

Laut Pierer habe Medion geplant, Gericom wie zuvor andere Firmen zu zerschlagen und anschließend als Tochterfirmen weiterzuführen, berichtet die "Süddeutsche" weiter. Oberlehner habe erklärt, er sei von Medion "in den Irrtum geführt" worden.

Oberlehner hatte Gericom 1990 gegründet und ging 1999 damit an die Börse. Seither ist er Vorstandsvorsitzender und über seine gleichnamige Beteiligungsgesellschaft auch Großaktionär. Nach der Transaktion hätte Medion 24,9 Prozent und die Oberlehner Privatstiftung noch 36,1 Prozent gehalten.