Datenschätze im Untergrund
Ein japanisches Konsortium baut ein Großrechenzentrum für 30.000 Server in 100 Metern Tiefe, das mit Grundwasser gekühlt wird - Stromersparnis 50 Prozent. Bill Gates hat 100 Millionen Foto-Unikate 70 Meter tief in Pennsylvania gebunkert, daneben lagern Daten von Geheimdiensten.
Während die Delegierten der UNO-Konferenz zum Klimawandel im spanischen Valencia noch um die Formulierung des Abschlussdokumentes ringen, gab in Japan ein Firmenkonsortium Pläne für den Bau eines stromsparenden Datencenters bekannt.
Das Konsortium, dem unter anderem Sun Micrososystems und die japanische Telekom NTT angehören, wird an einem aus Sicherheitsgründen geheim gehaltenen Ort ein Großrechenzentrum errichten.
Die Kühlsysteme
Besser gesagt "eingraben", denn gebaut wird in 100 Metern Tiefe, und das geschieht dort nicht allein aus Gründen der Sicherheit oder gar des Umweltschutzes, sondern in erster Linie aus ökonomischen Interessen.
Der bei weitem teuerste Posten beim Betrieb eines Rechenzentrums - neben dem Stromverbrauch der Maschinen selbst - ist der immense Strombedarf der Kühlsysteme.
50 Prozent weniger Energie
Wie das Japanese Corporate News Network berichtet, wird die Anlage keine Klimaanlagen der herkömmlichen Art benötigen. Zum einen bleibe die Temperatur in dieser Tiefe stabil bei 15 Grad, zum anderen sei ausreichend Grundwasser zur Kühlung der Abluft vorhanden.
Die gesamte Energieersparnis im Vergleich zu einem herkömmlichen Data-Warehouse betrage um die 50 Prozent, heißt es von dem Konsortium. In absoluten Zahlen ausgedrückt soll das Einsparungen von mehr als sechs Millionen Euro pro Datacenter im jährlichen Betrieb möglich machen.
Rechenzentrum im Schiffscontainer
Eine weitere Besonderheit daran ist, dass nicht etwa Rechner in herkömmlichen Racks aufgestellt werden. Vielmehr kommen Einheiten von jeweils 700 CPUs zum Einsatz, die fix und fertig in einem herkömmlichen Schiffscontainern angeliefert werden.
Im fertigen Ausbau sollen es um die 30.000 Server sein, die irgendwo in einer aufgelassen Mine in Japans Provinz Cuchu ab 2010 in Betrieb gehen werden.
6,7 Richterskala
Die Container des "Blackbox-Projekts" von Sun Microsystems sind schon per se ziemlich erschütterungsresistent, das zeigte ein Rütteltest auf der weltgrößten Erdbeben-Simulationsmaschine an der Universität von San Diego.
Der schwarze Container rechnete während eines schweren "Bebens" von 6,7 auf der Richterskala ungestört weiter und bestand den Test unbeschadet.
Stromverbrauch verdoppelt
Waren es früher ausschließlich staatlich-militärische Datenspeicher wie etwa der österreichische Datenbunker in St. Johann im Pongau oder Anlagen der US-Armee, so geht in jüngster Zeit der Trend auch im zivilen Sektor zur Untergrund-Datenspeicherung.
Natürlich steht auch hier der Sicherheitsaspekt im Vordergrund, allerdings hat der seit 2000 im Schnitt auf das doppelte gestiegene Stromverbrauch von Rechenzentren das Seinige dazu beigetragen, dass zunehmend im Untergrund gespeichert wird.
Weitere aktuelle Projekte
Erst im Juli nahm in einem ehemaligen Gipsbergwerk bei Grand Rapids, Michigan, ein etwa 250.000 Quadratmeter großes Datencenter der Firma USCDO den Betrieb auf.
In Springfield, Missouri, richtete der regionale Stromversorger in einer aufgelassenen Mine ein Rechenzentrum in knapp dreißig Metern Tiefe ein. In Louisville, Kentucky, wiederum baut StrataSpace ein ähnliche großes Objekt tief in den Kalkstein der Gegend hinein.
Bill Gates' Fotosammlung
Die Firma Corbis, die Bill Gates gehört, hat ihr 100 Millionen Originalfotos umfassendes [Papier-]Fotoarchiv bei null Grad in siebzig Metern Tiefe nächst Butler, Pennsylvania, eingelagert.
Das umfassende Stollensystem beherbergt auch die Backups zahlreicher USA-Behörden, die Datensammlungen mehrerer Geheimdienste sollen ebenfalls dort angesiedelt sein.
St. Johann: Rekordverdächtig
Bei der Anlage des vordem strikt Behördenzwecken gewidmeten Datenspeichers im Iron Mountain zu Pennsylvania spielten ebenso wie des Zentralen Ausweichsystem des Bundes [ZAS] der Republik Österreich im Pongau ökologische oder wirtschaftliche Überlegungen naturgemäß keine Rolle.
Mit 300 Metern Tiefe dürfte letzteres eines der am tiefsten gelegensten Datawarehouses weltweit sein.
