Big Brother Award für Christoph Blocher
Am einsamen Superstar der eidgenössischen Politik sind auch die Organisatoren der schweizerischen Big Brother Awards nicht vorbeigekommen: Bundesrat und Justizminister Christoph Blocher [SVP] erhielt eine alpenfestungsbunkerharte Betonskulptur für sein Lebenswerk.
Anlässlich der Verleihung der schweizerischen Big Brother Awards am Freitagabend in St. Gallen erhielt Bundesrat Blocher, Chef des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements [EJPD], auch den ersten Preis in der Kategorie "Staat". Grund dafür ist Blochers Einsatz für die geplante Verschärfung des "Bundesgesetzes über Maßnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit".
Diese Initiative sehe, so die Veranstalter, massive Eingriffe in die Grundrechte vor, beispielsweise das Abhören von Telefongesprächen, die heimliche Durchsuchung von Computern und die verdeckte Verwanzung von Wohnungen - ohne konkreten Verdacht auf eine Straftat und ohne richterliche Kontrolle.
Die Big Brother Awards Schweiz 2007 wurden vom Verein grundrechte.ch und der Swiss Internet User Group [SIUG] veranstaltet. Partner waren die "Erfreuliche Universität St. Gallen" [nicht zu verwechseln mit der HSG!], das Kulturzentrum Palace in St. Gallen und die Rote Fabrik in Zürich.
Grundrechte.ch ist die Nachfolgerorganisation des Vereins Archiv Schnüffelstaat Schweiz, der bisher Mitveranstalter der BBAs war.
Die Big Brother Awards sind "Anti-Preise", die an Individuen und Unternehmen verliehen werden, die mit ihren Aktivitäten die Privatsphäre der Bürger besonders stark verletzen.
Neugierige Krankenkassen-Controller
Der Anti-Preis in der Kategorie "Business" ging an die Krankenkasse Helsana für deren System zur Wirtschaftlichkeitskontrolle von Leistungen in Pflegeheimen. Im Rahmen dieses Vorgehens sollen, so die BBA-Veranstalter, Buchprüfer auch ohne Einwilligung der Betroffenen Einblick in die Gesundheitsakten der Patienten erhalten.
Nominiert waren auch zahlreiche andere schweizer Konzerne wie der Handelskonzern Migros, der Provider Cablecom, die Swisscom und die Großbanken UBS und Credit Suisse. Auch Omnisight GmbH, Hersteller für Videoüberwachungs-Minidrohnen, fand sich unter den Kandidaten wieder.
Drogentest beim Arbeitgeber
Die Betontrophäe in der Kategorie "Arbeitsplatz" wurde den Schweizerischen Bundesbahnen [SBB] und dem Bundesamt für Verkehr [BAV] verliehen. Sie erhielten den Preis, weil sie, so die Veranstalter, willkürliche Drogen- und Alkoholtests bei den Angestellten des öffentlichen Verkehrs eingeführt haben.
Das Unternehmen Postlogistics erhielt eine "lobende Erwähnung" dafür, dass sie von allen ihren Angestellten die Vorlage eines Strafregisterauszugs verlangt.
Publikumspreis für Widerstand
Bei den Schweizer BBAs wird der Positivpreis, vergleichbar mit der österreichischen BBA-Auszeichnung "Defensor Libertatis", vom Publikum verliehen.
Zum Gewinner eines Winkelried-Awards für eine Person oder Organisation, die sich im Jahr 2006 besonders gegen Überwachung und Kontrolle einsetzte, wurde vom Publikum der Blogger Thomas "BloggingTom" Brühwiler gekürt.
