20.06.2004

RED BOX

Britische Telefonzellen als Sammlerstücke

Zum Stadtbild von London gehören sie wie die Doppeldeckerbusse oder der Gongschlag von Big Ben: die roten Telefonkabinen.

Doch die "red boxes" sind vom Aussterben bedroht. Schon jetzt gibt es von den einstmals über 60.000 Kabinen nur noch 15.000 Exemplare im ganzen Land. Und die BT [vormals British Telecom] will weitere Telefonzellen ausmustern.

Die fast 750 Kilogramm wiegenden Kabinen seien zwar hübsch, räumt BT-Sprecher Les King ein. Doch für Kinder, Behinderte und Alte seien die schweren Türen kaum zu öffnen. Zudem fehle den "red boxes" im Gegensatz zu neueren Modellen ein gutes Belüftungssystem.

Doch die wahren Gründe sind wohl wirtschaftlicher Natur. In den vergangenen drei Jahren sind die mit öffentlichen Fernsprechern erzielten Einnahmen um 40 Prozent eingebrochen, die Anzahl der von dort getätigten Anrufe gingen im gleichen Zeitraum sogar um die Hälfte zurück.

Telefonzelle im NATO-Bunker

Während die unverwüstlichen Metallhäuschen allmählich aus dem Stadtbild verschwinden, sind sie bei Nostalgikern zum begehrten Sammelstück avanciert.

Von dem Sammlerboom profitiert unter anderem die Firma Unicorn Kiosk Restorations, die sich auf die Restaurierung der ausgemusterten Telefonzellen spezialisiert hat.

Manche der zunehmend begehrten Stücke wandern nach der Restaurierung an die wunderlichsten Orte. "Wir haben schon eine Telefonhäuschen in einem NATO-Bunker wieder aufgebaut", so ein Sprecher von Unicorn. Die meisten Zellen würden jedoch zur Zierde in Gärten aufgestellt. Zu den prominenten Kunden gehören unter anderem Frankreichs Fußballidol Marcel Desailly oder der britische Popsänger Cliff Richard.