Britische Telefonzellen als Sammlerstücke
Zum Stadtbild von London gehören sie wie die Doppeldeckerbusse oder der Gongschlag von Big Ben: die roten Telefonkabinen.
Doch die "red boxes" sind vom Aussterben bedroht. Schon jetzt gibt es von den einstmals über 60.000 Kabinen nur noch 15.000 Exemplare im ganzen Land. Und die BT [vormals British Telecom] will weitere Telefonzellen ausmustern.
Die fast 750 Kilogramm wiegenden Kabinen seien zwar hübsch, räumt BT-Sprecher Les King ein. Doch für Kinder, Behinderte und Alte seien die schweren Türen kaum zu öffnen. Zudem fehle den "red boxes" im Gegensatz zu neueren Modellen ein gutes Belüftungssystem.
Doch die wahren Gründe sind wohl wirtschaftlicher Natur. In den vergangenen drei Jahren sind die mit öffentlichen Fernsprechern erzielten Einnahmen um 40 Prozent eingebrochen, die Anzahl der von dort getätigten Anrufe gingen im gleichen Zeitraum sogar um die Hälfte zurück.
Schlechte Zeiten also für die roten Häuschen, die 1926 von dem Architekten Giles Gilbert Scott konstruiert wurden. Bereits Anfang der dreißiger Jahre wurde der Urtyp "K2" durch neue Modelle ersetzt, die mit einem Briefkasten und zwei Automaten zum Briefmarkenverkauf ausgestattet waren. Zum Thronjubiläum von König George V. folgte 1936 dann die "K6", jenes Modell, das weltweit Kultstatus erlangte. Die letzte Weiterentwicklung in der Reihe war die "K8" im Jahr 1968.
Geschichte der TelefonhäuschenTelefonzelle im NATO-Bunker
Während die unverwüstlichen Metallhäuschen allmählich aus dem Stadtbild verschwinden, sind sie bei Nostalgikern zum begehrten Sammelstück avanciert.
Von dem Sammlerboom profitiert unter anderem die Firma Unicorn Kiosk Restorations, die sich auf die Restaurierung der ausgemusterten Telefonzellen spezialisiert hat.
Manche der zunehmend begehrten Stücke wandern nach der Restaurierung an die wunderlichsten Orte. "Wir haben schon eine Telefonhäuschen in einem NATO-Bunker wieder aufgebaut", so ein Sprecher von Unicorn. Die meisten Zellen würden jedoch zur Zierde in Gärten aufgestellt. Zu den prominenten Kunden gehören unter anderem Frankreichs Fußballidol Marcel Desailly oder der britische Popsänger Cliff Richard.
Ab 6.000 Euro im Garten
Liebhaber können den wieder auf Hochglanz gebrachten
K-6-Klassiker - allerdings ohne den Telefonapparat - um rund 6.000
Euro erwerben. Noch tiefer in die Tasche greifen muss, wer eine alte
"K2" sein eigen nennen will: diese kostet mehr als 12.000 Euro.
British Bits
Unicornkiosks
