Freie Netze für freies Wissen
"The future of the digital commons", also die Zukunft des digitalen Gemeinguts, war das Thema der dritten "Wizards of OS"-Konferenz in Berlin vergangene Woche.
Nach Umweltaktivisten, Globalisierungsgegnern und Anti-Gen-Patent-Streitern formieren sich jetzt mehr und mehr die Verteidiger des freien Zugangs zu Wissen und Kultur.
An der Spitze der Bewegung steht der Rechtsprofessor Lawrence Lessig aus Stanford, der gegen eine Verschärfung der Urheberrechtsgesetze auftritt und "Creative Commons" gegründet hat.
Wizards of OSSome rights reserved
"Creative Commons" ist eine Plattform, die die freie Nutzung des geistigen Eigentums fördern möchte. Musiker, Autoren und Künstler haben mit "Creative Commons"-Lizenzen die Möglichkeit, ihre Werke ganz oder teilweise der Öffentlichkeit zur freien Nutzung zur Verfügung zu stellen.
Bei der "Wizards of OS" wurde auch "Creative Commons Deutschland" aus der Taufe gehoben, bis Jahresende sollen 15 Europäische Länder die "some rights reserved"-Lizenz an ihre nationalen Gesetze angepaßt haben. Die österreichische Lizenz wird am 7. September im Rahmen der Ars Electronica in Linz vorgestellt werden.
"Creative Commons" erhält heuer den Prix Ars Electronica in der Kategorie "Net Vision". In der neuen Kategorie "Digital Communities" wird die freie Online-Enzyklopädie "Wikipedia" mit einer Goldenen Nica ausgezeichnet.
Creative CommonsFreies Wissen
Die Wikipedianer verstehen sich als Online-Community über alle Länder- und Gesellschaftsgrenzen hinweg und werden von einer gemeinsamen Idee zusammengehalten: Wissen für alle Menschen frei zugänglich zu machen.
"Wikipedia" hat bereits 700.000 Artikel in 50 Sprachen im Netz. Die unentgeltlich werkenden Autoren aus aller Welt arbeiten auch schon an der Herausgabe frei verfügbarer Bücher über Chemie, Physik und anderes grundlegendes Wissen.
"Wikipedia"-Gründer Jimmy Wales tourt derzeit durch Europa und wird am Abend des 24. Juni bei einer Veranstaltung des Prix Ars Electronica im ORF-Kulturcafe in Wien zu Gast sein.
Universellen Zugang zu menschlichem Wissen will auch das "Internet Archive" bieten, das Brewster Kahle in San Francisco gegründet hat.
Bibliothek des 21. Jahrhunderts
Die Internet-Bibliothek digitalisiert und archiviert alles, was
irgendjemand zur freien Verfügung stellen möchte. 35 Milliarden
Internet-Seiten, einige tausend Filme, mehr als 10.000 Konzerte und
ein Haufen Bücher haben sich in den vergangenen acht Jahren bereits
angesammelt.
Internet Archive
WikipediaGemeingut in Gefahr
Die Verteidiger des freien Zugangs zu Wissen und Kultur kritisieren, dass die Kreativität durch immer strengere Urheberrechtsgesetze eingeschränkt würde.
Statt die Möglichkeiten zum Sampling und Remixing zu fördern, die die digitalen Medien bieten, würden immer mehr Inhalt weggesperrt oder mit Lizenzgebühren belegt. Gefordert werden deshalb freie Software, freie Hardware, freie Kultur und freie Funkfrequenzen.
Die BBC will mit gutem Beispiel vorangehen und ab Herbst ihre Archive für die Briten öffnen. Das "Creative Archive" wird Audio- und Videomaterial online stellen, das heruntergeladen, umgeschnitten und ausgetauscht. Einzige Bedingung ist, dass das Material nicht für kommerzielle Zwecke genutzt werden darf.
Friends of the CommonsWie können Wissen und Kulturgut frei zugänglich gemacht und Autoren, Künstler oder Wissenschafter trotzdem nicht ihrer Rechte beraubt werden? Wie können Wissens-Communities geschaffen werden, die Wissen gerecht archivieren und verteilen und so allen Zugang verschaffen? Sonja Bettel berichtet über Utopien und reale Lösungen für eine Welt des "Free Content". Zu Wort kommen unter anderem Jimmy Wales, Gründer der freien Wissensdatenbank "Wikipedia" und Lawrence Lessig, auf dessen Initiative das "Creative Commons" Projekt zurückgeht.
Wem gehört das Wissen
