20.06.2004

MATRIX FORUM

Freie Netze für freies Wissen

"The future of the digital commons", also die Zukunft des digitalen Gemeinguts, war das Thema der dritten "Wizards of OS"-Konferenz in Berlin vergangene Woche.

Nach Umweltaktivisten, Globalisierungsgegnern und Anti-Gen-Patent-Streitern formieren sich jetzt mehr und mehr die Verteidiger des freien Zugangs zu Wissen und Kultur.

Some rights reserved

"Creative Commons" ist eine Plattform, die die freie Nutzung des geistigen Eigentums fördern möchte. Musiker, Autoren und Künstler haben mit "Creative Commons"-Lizenzen die Möglichkeit, ihre Werke ganz oder teilweise der Öffentlichkeit zur freien Nutzung zur Verfügung zu stellen.

Bei der "Wizards of OS" wurde auch "Creative Commons Deutschland" aus der Taufe gehoben, bis Jahresende sollen 15 Europäische Länder die "some rights reserved"-Lizenz an ihre nationalen Gesetze angepaßt haben. Die österreichische Lizenz wird am 7. September im Rahmen der Ars Electronica in Linz vorgestellt werden.

Freies Wissen

Die Wikipedianer verstehen sich als Online-Community über alle Länder- und Gesellschaftsgrenzen hinweg und werden von einer gemeinsamen Idee zusammengehalten: Wissen für alle Menschen frei zugänglich zu machen.

"Wikipedia" hat bereits 700.000 Artikel in 50 Sprachen im Netz. Die unentgeltlich werkenden Autoren aus aller Welt arbeiten auch schon an der Herausgabe frei verfügbarer Bücher über Chemie, Physik und anderes grundlegendes Wissen.

"Wikipedia"-Gründer Jimmy Wales tourt derzeit durch Europa und wird am Abend des 24. Juni bei einer Veranstaltung des Prix Ars Electronica im ORF-Kulturcafe in Wien zu Gast sein.

Universellen Zugang zu menschlichem Wissen will auch das "Internet Archive" bieten, das Brewster Kahle in San Francisco gegründet hat.

Gemeingut in Gefahr

Die Verteidiger des freien Zugangs zu Wissen und Kultur kritisieren, dass die Kreativität durch immer strengere Urheberrechtsgesetze eingeschränkt würde.

Statt die Möglichkeiten zum Sampling und Remixing zu fördern, die die digitalen Medien bieten, würden immer mehr Inhalt weggesperrt oder mit Lizenzgebühren belegt. Gefordert werden deshalb freie Software, freie Hardware, freie Kultur und freie Funkfrequenzen.