Konkurrenz für BitTorrent
Die Peer-to-Peer-Aktivisten von The Pirate Bay arbeiten an einem neuen Filesharing-Protokoll, das BitTorrent den Rang ablaufen soll. Das Protokoll soll Filesharing sicherer machen und in etwa einem Jahr verfügbar sein.
Der weltgrößte BitTorrent-Tracker The Pirate Bay will sich offenbar vom Filesharing-Protokoll BitTorrent verabschieden. Vergangene Woche kündigte Pirate-Bay-Administrator Brokep in einem Interview mit Netzpolitik.org an, dass die Torrent-Tracker-Site innerhalb der nächsten zwölf Monate auf ein neues Filesharing-Protokoll umsteigen wolle.
An der Entwicklung des Protokolldesigns werde bereits seit längerem gearbeitet, sagte Brokep. Das Protokoll solle Filesharing sicherer machen, Schutz vor Spam bieten und auch dazu beitragen, dass Downloads über Suchmaschinen besser gefunden werden können, hieß es.
Kein Vertrauen in BitTorrent
Auf die Entwicklung von BitTorrent habe die Community keinen Einfluss mehr, seit die Software nicht mehr Open Source ist, sagte Brokep: "Wir vertrauen BitTorrent nicht mehr." Seit der Version 6.0, im Juli 2006, wird die Software ohne frei zugänglichen Source-Code veröffentlicht.
Das von BitTorrent-Erfinder Bram Cohen gegründete Unternehmen BitTorrent, das die Software seit 2004 kommerziell verwertet, könnte darüber hinaus Features in BitTorrent einbauen, die den Tausch geschützter Materialien behindern, befürchtete der Peer-to-Peer-Aktivist.
Nach Angaben zahlreicher Online-Medien soll das Protokoll, das noch keinen Namen hat, das Suffix .p2p tragen und auch den Tausch von .torrent-Files zulassen.
Die Entwicklung des Projekts kann über ein Wiki verfolgt werden. Auch Entwickler werden noch gesucht.
BitTorrent gelassen
Seitens des Unternehmens BitTorrent gab man sich gelassen. "Wir sind nicht wirklich enttäuscht", sagte BitTorrent-Mitbegründer Ashwin Navin: "Wir haben von der Piraten-Community niemals auch nur einen Cent bekommen."
Laut Navin nutzen derzeit rund 150 Millionen Menschen die BitTorrent-Software. Im vergangenen Monat startete BitTorrent mit BitTorrent DNA ein Vertriebssystem für Medienunternehmen, das die Anzahl der BitTorrent-Nutzer nach Schätzungen Nasvins in den nächsten 18 bis 24 Monaten auf rund eine Milliarde steigen lassen sollte.
Als erster Kunde konnte der Online-Videoanbieter Brightcove gewonnen werden. Brightcove hat unter anderem Inhalte der US-Medienunternehmen CBS und MTV Networks im Angebot.
"Sorgen begründet"
Eric Garland, Chef des P2P-Marktforschungsunternehmens Big Champagne, bezeichnete die Sorgen der Pirate-Bay-Aktivisten als begründet. Die zukünftige Entwicklung von BitTorrent werde sicherlich in eine Richtung gehen, mit der die Piraten wenig Freude haben werden, sagte er.
Garland meinte auch, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis jemand ein Filesharing-Protokoll entwickelt, das BitTorrent in den Schatten stelle. Und das könnten durchaus die Leute hinter The Pirate Bay sein, so Garland.
Scharmützel mit der Medienindustrie
The Pirate Bay war in den vergangenen Jahren wiederholt mit der Medienindustrie in Konflikt geraten. Im Mai 2006 wurden in einer aufsehenerregenden Polizeiaktion die Server von The Pirate Bay wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen beschlagnahmt. Zu einer Anklage kam es allerdings bis heute nicht.
Zuletzt kündigten die Aktivisten ihrerseits eine Klage wegen Sabotage gegen zahlreiche Musik- und Filmkonzerne an. Auslöser dafür waren E-Mails des für den US-Filmindustrieverband MPAA tätigen Dienstleister Media Defender, die an die Öffentlichkeit gerieten und kein gutes Licht auf die Praktiken der Anti-Piraterie-Lobby warfen.
(futurezone | Reuters)
