Gadget mit Potenzial
Der iPod touch zeigt mit dem vom iPhone übernommenen Multitouch-Display neue Möglichkeiten der Navigation auf mobilen Geräten auf und überzeugt als Multimedia-Player. Die Nutzungsmöglichkeiten des Gerätes werden vom Hersteller Apple jedoch stark eingeschränkt. ORF.at hat den iPod touch getestet.
Während noch immer nicht bekannt ist, ob, wann und von welchem Mobilfunkanbieter das Apple-Multimedia-Handy iPhone in Österreich angeboten wird, gibt der Medien-Player iPod touch einen Vorgeschmack auf die Features und Funktionen des Smartphone.
Musik-Player mit Internet-Zugang
Zwar ist der iPod touch in erster Linie ein tragbarer Musik- und Videoplayer. Über das 120 Gramm leichte Gerät kann jedoch über WLAN [802.11b/g] auch auf das Netz zugegriffen, YouTube-Videos abgerufen und Musik direkt aus dem mobilen iTunes-Store-Ableger Wi-Fi Music Store auf den Player geladen werden.
Seit etwas mehr als einer Woche ist das Gerät auch im österreichischen Fachhandel ohne längere Wartezeiten erhältlich.
Derzeit wird der iPod touch, der über ein 3,5 Zoll großes Display verfügt, in einer Version mit acht Gigabyte Flash-Speicher für 299 Euro und einer 16-Gigabyte-Version für 399 Euro angeboten.
Multitouch-Display als Augenöffner
Die herausragende Neuerung des Gadgets ist das vom iPhone übernommene berührungsempfindliche Display, das ebenso funktionale wie unkomplizierte Navigationsmöglichkeiten durch Inhalte auf mobilen Geräten aufzeigt und durchaus als Augenöffner für die Branche bezeichnet werden kann.
Mittels kurzer Berührung des 3,5 Zoll großen Bildschirms können beim Abspielen von Musik und Videos Steuerungsmöglichkeiten zugeschaltet oder bei Websites und Fotos Ansichten vergrößert werden.
Auch beim Blättern durch die Musikbibliothek in dem bereits aus iTunes bekannten Cover-View-Modus überzeugt das Multitouch-Display.
Wechsel zwischen Hoch- und Querformat
Daneben ist der iPod touch auch mit einem Sensor ausgestattet, der den Wechsel vom Hoch- zum Querformat durch die entsprechende Veränderung der Lage des Gerätes relativ problemlos bewerkstelligt.
Unterwegs mit Problemen
Beim mobilen Musikhören, auf der Straße oder in der U-Bahn, gerät die Navigation mittels Touchscreen jedoch mitunter zur umständlichen Prozedur.
Zum Entsperren der Auto-Lock-Funktion muss mit einem Finger ebenso über den Bildschirm gefahren werden wie beim Regulieren der Lautstärke. Das lässt das Click-Wheel anderer iPod-Modelle vermissen, das auch in der Hosen- oder Manteltasche vergleichsweise einfach bedient werden kann.
Dank Flash-Speicher läuft der iPod touch vergleichsweise lange. Die von Apple angegebenen Musikabspieldauer von bis zu 22 Stunden bei voller Aufladung konnte im ORF.at-Test nicht bestätigt werden. Nach etwas mehr als 18 Stunden war Schluss. Bei Videos werden von Apple bis zu fünf Stunden Spielzeit bei voller Aufladung angegeben.
Direkt-Download von Songs
Über WLAN lässt sich mit dem iPod touch neben Websites auch der mobile iTunes-Store-Ableger Wi-Fi Music Store ansteuern.
Titel können über eine Suchabfrage schnell gefunden und 30 Sekunden lang probegehört werden. Der Download von Musik aus dem Online-Shop funktionierte im ORF.at-Test klaglos.
Auch der Transfer der mobil gekauften Songs vom Player in die iTunes-Bibliothek am Notebook bereitete im ORF.at-Test keine Probleme.
Keine DRM-freien Songs
Nach Songs ohne Beschränkungen durch Kopierschutztechnologien [Digital Rights Management, DRM] sucht man im Wi-Fi Music Store - anders als im iTunes Store - jedoch vergeblich.
Mit Safari ins Netz
Zum Surfen im Netz steht ein Safari-Browser zur Verfügung, der sich über die Multitouch-Oberfläche leicht bedienen lässt. Durch Doppeltippen auf den Bildschirm werden Seiten vergrößert, durch das Aufziehen mit zwei Fingern kann auf Websites und auch auf Fotos nach Belieben ein- und ausgezoomt werden.
Zum Eintippen von Adressen und Suchabfragen steht eine Touchscreen-Tastatur bereit. Bookmarks können mit dem Heimrechner synchronisiert und auch unkompliziert am mobilen Gerät hinzugefügt werden.
E-Mail-Programm fehlt
Dass das Gerät von vielen Sites nicht als mobiles Gerät erkannt wird, ist angesichts der durch die Multitouch-Technologie gegebenen Navigationsmöglichkeiten nicht weiter schlimm.
In Webmail-Diensten findet man sich damit ganz gut zurecht. Über ein E-Mail-Programm verfügt der iPod touch im Gegensatz zum iPhone leider [noch?] nicht. Auch Google Maps, das am iPhone bereits angeboten wird, fehlt beim iPod touch.
Der Download von Programmen auf den Player ist nicht möglich.
Videos im Breitformat
Neben dem drahtlosen Internet-Zugang dürfte der Breitformat-Bildschirm der Hauptgrund sein, sich für den iPod touch anstatt für andere Medien-Player zu entscheiden.
"Glitter"
Das Display mit einer Auflösung von 480 x 320 Pixeln konnte beim Ansehen von Videos im ORF.at-Test mit Abstrichen überzeugen.
Das von Apple zur Verfügung gestellte Testgerät zeigte eine Reihe von Pixelfehlern ["stuck pixel"], die aufgrund der hohen Auflösung des Displays allerdings nicht sofort, und auch nicht bei jedem Betrachtungswinkel, ins Auge fallen.
In US-Foren hat das Phänomen, das offenbar auch beim iPhone auftritt, bereits einen Namen: "Glitter".
YouTube-Zugang
Neben Videos, die über iTunes auf den Player gespielt werden, bietet der iPod touch auch Zugang zu einer mobilen Version der Online-Videoplattform YouTube.
Kalenderbearbeitung nicht möglich
Daneben können, wie bei anderen Modellen der iPod-Reihe auch, Fotos auf das Gerät gespielt werden sowie Kalender und Kontakte mit dem PC abgeglichen werden.
Leider kann der Kalender am iPod touch nicht bearbeitet werden. Wünschenswert wäre auch die Möglichkeit, am iPod touch Notizen verfassen zu können.
Kein Disk-Modus
Ärgerlich ist das Fehlen des Disk-Modus. Während andere iPod-Modell erlauben, den mobilen Player als externe Festplatte zu nutzen, sucht man danach beim iPod touch vergeblich.
Damit ist es auch nicht mehr möglich, mit Hilfe von Drittanbieter-Software Songs oder Videos vom iPod auf den PC zu transferieren.
Apple unterbindet bei seinen iPod-Modellen seit jeher den Transfer von Musik und Videos vom iPod zum PC. Die Gründe dafür dürften in Vereinbarungen mit Inhalteanbietern zu finden sein, die wohl befürchten, dass der iPod so zum Vehikel zum Musiktausch werden könnte.
Mit Hilfe von Software wie iPodRip [Mac] und PodPlus [Windows] lässt sich bei den aktuellen iPod-Modellen Classic, Nano und Shuffle sowie deren Vorgängern die Einbahnstraße jedoch leicht umgehen.
Das erweist sich nicht zuletzt dann als nützlich, wenn die eigene Musikbibliothek nach einem Festplatten-Crash im Nirvana verschwindet.
Keine drahtlose Synchronisation
Unverständlich ist, warum der iPod touch - wie etwa der vorerst nur in den USA erhältliche Microsoft-Medien-Player Zune - nicht drahtlos mit dem PC synchronisiert werden kann.
Während über die Apple-Anwendung iSync etwa ausgewählte Mobiltelefone und Taschencomputer ohne Probleme drahtlos über Bluetooth mit Apple-Rechnern kommunzieren können, ist die Synchronisation zwischen PC und Medien-Player derzeit nur mit USB-Kabel möglich. Bluetooth wird auf dem iPod touch erst gar nicht angeboten.
Auch auf Kommunikation und Dateitausch zwischen zwei Medien-Playern, die mit dem Microsoft-Player Zune [mit Einschränkungen] ebenfalls möglich ist, wird beim iPod touch verzichtet.
Fazit: Viel Potenzial
Der iPod touch ist ein innovates Gerät mit viel Potenzial, das jedoch nur bedingt eingelöst wird.
Zwar ist der Player der Konkurrenz um einige Schritte voraus. Gerade aber weil das Gerät viele Möglichkeiten aufzeigt, fällt deren fehlende Umsetzung umso stärker ins Gewicht.
Eine Verbesserung könnte die Öffnung des Gadgets für Programme von Drittanbietern bringen. Die hat Apple-Chef Steve Jobs für das iPhone bereits angekündigt. Die nötigen Informationen dafür sollen Programmierer im Februar 2008 erhalten. Mit dem Software Development Kit [SDK] für das iPhone sollen auch Programme für den iPod touch geschrieben werden können.
