Erste ESA-Mission zur Venus
Mit dem seltenen Himmelsphänomen "Venustransit" [Venus zieht als schwarzer Punkt vor der Sonne vorbei] tritt nach dem Mars nun der zweite Nachbarplanet der Erde in den Mittelpunkt des Interesses.
Das gilt auch für die Raumfahrt, Ende Oktober 2005 startet die erste europäische Sonde zur Venus. Projektleiter ist - wie schon bei "Mars-Express" - der Österreicher Rudolf Schmidt.
Das ist kein Zufall, denn bei "Venus-Express" handelt es sich quasi um eine Recycling-Mission, die nicht nur die gleiche Grundkonstruktion wie "Mars Express" verwendet, sondern auch etliche für die Mars-Sonde sowie die Kometen-Mission "Rosetta" gebaute Reserveinstrumente nutzt.
Kosten von 200 Mio. Euro
"Das Konzept, diese Instrumente - zum Teil adaptiert- zu
verwenden, war das Argument dafür, dass man sich 'Venus-Express'
überhaupt leisten konnte", erklärte Schmidt. Die Kosten für die
Sonde betragen knapp 200 Mio. Euro, deutlich billiger als
"Mars-Express" [rund 300 Mio. Euro].
ESA-Website zu "Venus-Express"Anflug dauert fünf Monate
Geplanter Start der Sonde ist am 26. Oktober 2005, geflogen wird wieder mit einer russischen Sojus-Rakete von Baikonur [Kasachstan] aus. Das Raumfahrzeug wird fünf Monate bis zur Venus benötigen und soll dann in eine polare Umlaufbahn um den Planeten einschwenken.
Ziel der Mission ist die Untersuchung der Atmosphäre und Ionosphäre des Nachbarplaneten. Es soll auch geklärt werden, warum die Venus so langsam rotiert und ein so schwaches Magnetfeld hat.
Eine Landeeinheit ist bei "Venus-Express" nicht vorgesehen.
Die Missionsdauer ist für 500 Erdentage angelegt, was - auf Grund der langsamen Eigendrehung des Planeten - nur rund zwei Venus-Tagen entspricht.
Extreme Umweltbedingungen
Durch einen Treibhauseffekt hat sich die Venus auf bis zu 500
Grad aufgeheizt, der Druck liegt um rund das 90fache über dem auf
der Erde. Die dichte Venus-Atmosphäre besteht laut Messungen
bisheriger Missionen zu 96 Prozent aus Kohlendioxid und zu 3,5
Prozent aus Stickstoff. Ein dichter Mantel aus Schwefelsäurewolken
verhüllt den Planeten und verhindert ein Abstrahlen der Wärme in den
Weltraum.
NASA-Website zur VenusDer letzte Besuch eines Raumfahrzeugs bei der Venus liegt schon einige Zeit zurück, von 1990 bis 1994 lieferte die US-Sonde "Magellan" Daten von dem Planeten.
