08.06.2004

PRINT-PIRACY

Verlage fürchten steigenden Online-Klau

Zwar hat die Buchbranche mit dem Internet bisher mehr gute als schlechte Erfahrungen gemacht - vor allem als Distributionskanal im E-Commerce hat sich das Medium bewährt.

Doch nun macht sich auch diese Branche immer mehr Sorgen um die Wahrung ihrer Copyrights und die resultierenden Umsatzeinbußen. Das berichtet emarketer.com.

Denn inzwischen finden sich nach Schätzungen Zehntausende Bücher, Hörbücher und Fachzeitschriften in Tauschbörsen.

Die meisten davon finden sich in englischer Sprache, aber auch deutsche, spanische und französische Titel werden getauscht.

"Harry Potter" binnen zwei Stunden online

Vom Jamie-Oliver-Kochbuch über Dieter Bohlens Biografie bis zum aktuellen Harry-Potter-Band: Die traditionellen Papierausgaben werden einfach eingescannt und online gestellt.

Als "Harry Potter und der Orden des Phönix" im Vorjahr nur wenige Stunden nach dem Erscheinen bereits im Netz verfügbar war, wurde den Verlegern die schnelle Entstehung und Verbreitung von Buchkopien prominent vor Augen geführt.

Die ersten Kapitel des Bestsellers tauchten laut dem Urheberschutz-Unternehmen Envisional nur zwei Stunden nach dem Marktstart im IRC-Channel bookz auf, wenige Stunden später war das ganze eingescannte Buch im Kanal #pottermania zu haben.

Auch das Hörbuch war kurz danach im MP3-Format erhältlich.

Leser mit Tauschbörsen vertraut

Edward McCoyd von der Association of American Publishers [AAP] befürchtet zudem, dass der Online-Buchtausch immer einfacher für den Internet-Nutzer wird: "Wir bemerken immer mehr Piraterie-Aktivitäten in Peer-to-peer-Tauschbörsen, nicht nur im IRC. Denn die Leute wurden durch den weit verbreiteten Musiktausch bereits mit der Bedienung der Software vertraut gemacht."

Derzeit kommen die getauschten Buchtitel zwar nicht annähernd an die Zahlen der Musik- und Film-Raubkopien heran, doch mit dem stetigen Wachstum graben sich auch die Sorgenfalten immer tiefer in die Gesichter der Verleger.