Gemischte Reaktionen auf neuen E-Pass

Deutschland
01.11.2007

Der neue deutsche Reisepass enthält nun auch zwei Fingerabdrücke seines Besitzers. Die Polizeigewerkschaft freut sich, Datenschützer warnen vor Missbrauch.

Seit 1. November werden in Deutschland nur noch Reisepässe ausgegeben, die zusätzlich zu einem digitalen Bild auch die Abdrücke der Zeigefinger des Inhabers gespeichert haben.

Nach EU-Vorgaben müssen alle Mitgliedsländer bis Juni 2009 dieses zweite biometrische Merkmal auf dem Chip speichern.

Der deutsche Datenschutzbeauftragte Peter Schaar warnte vor Missbrauch. Er halte es für möglich, dass Fingerabdrücke auf illegale Weise ins Internet gelangen könnten. Es scheine ihm "sehr schwierig bis unmöglich, die Geräte, die Fingerabdrücke ablesen können, sicher zu machen", sagte er.

Empfehlung für Alufolie

Berlins Datenschutzbeauftragter Alexander Dix empfahl den Besitzern biometrischer Reisepässe, das Dokument als Schutz vor unbemerktem Auslesen in Aluminiumfolie einzuwickeln. Auch BKA-Chef Jörg Ziercke praktiziere das. Hundertprozentige Sicherheit könne es "nie geben", sagte Dix.

Ein BKA-Sprecher bezeichnete dies jedoch als "totalen Quatsch". Ziercke stelle klar, dass "er seinen Ausweis nicht in einer Schutzhülle trägt - weder aus Plastik noch aus Alufolie". Er sehe zu einem solchen Verhalten auch keinerlei Veranlassung und "tut dies im vollsten Vertrauen auf die Sicherheitssysteme in Deutschland", erklärte der Sprecher.

"Weitestgehend fälschungssicher"

Grünen-Parteichefin Claudia Roth und das Vorstandsmitglied Malte Spitz erklärten, Deutschland rücke "Stück für Stück in einen präventiven Überwachungsstaat". Bei der neuen Generation des Reisepasses solle "eine gesamte Bevölkerung biometrisch erfasst werden".

Der Chef der deutschen Polizeigewerkschaft, Konrad Freiberg, nannte den neuen elektronischen Reisepass einen "großen Schritt zu mehr Sicherheit". Der neue Pass sei durch die Anwendung moderner Technologie "weitestgehend fälschungssicher".

Beim alten Pass habe es hingegen eine Reihe von Fehlerquellen gegeben, was zu "einem starken Missbrauch, vor allem im Kriminalitätsbereich des Menschenhandels", geführt habe. Vor einem Missbrauch durch Polizei und Staat müsse niemand Angst haben. Es gebe keine Erkenntnisse, dass die auf dem Chip gespeicherten Daten herausgelesen werden könnten.

Experten sind da anderer Meinung: Besonders die Sicherheitsstandards der Funkchip-Pässe werden kritisiert.

(AFP)