03.06.2004

URGESTEIN

"Colossus" kehrt zum D-Day zurück

Einer der ersten Computer der Welt, der "Colossus", wurde anhand von Bildern und Zeitzeugenberichten im britischen Kryptozentrum in Bletchley Park neu aufgebaut.

Der Colossus gilt als der erste speicherprogrammierbare Computer. Ohne ihn wäre die Landung der Alliierten in der Normandie 1944 undenkbar gewesen.

Britische Dechiffrierexperten konnten damals Funksprüche zwischen Hitler und seinen Generälen mit Hilfe der neuen "Rechenpower" entschlüsseln.

1.500 Röhren

Als der Fernmeldeingenieur Tommy Flowers den Koloss 1943 erbaute, glaubte niemand daran, dass er länger als zehn Sekunden durchhalten würde.

Man erwartete, dass der Ur-Rechner, der mit 1.500 Elektronenröhren funktionierte, in die Luft fliegen würde. Bis dahin wurden diese Röhren nur in Radios eingesetzt, die auch regelmäßig hochgingen.

Doch das lag nur daran, dass die Radios ständig ein - und ausgeschaltet wurden, der Colossus wurde daher bis zum Kriegsende niemals abgedreht.

5.000 Zeichen pro Sekunde

Die mit dem Lorenz-Chiffre kodierten deutschen Funksprüche konnte so binnen zwei Tagen entschlüsselt werden. Per Hand wären mehrere Monate nötig gewesen.

Die Maschine konnte 5.000 Zeichen pro Sekunde verarbeiten, bei einer Leistungsaufnahme von 4.500 Watt.

Der Arbeitsspeicher bestand aus fünf Zeichen von je fünf Bit in Schieberegistern.

63 Millionen Zeichen entschlüsselt

Als 1945 an der Universität Pennsylvania der Electronic Numerical Integrator And Calculator [Eniac] entwickelt wurde, ernteten die Entwickler die Lorbeeren für den "ersten Computer".

Bis in die 70er-Jahre hielt sich dieser Irrglaube.

Im Jahr 1945 waren insgesamt zehn der Colossus-Geräte im Einsatz. Insagesamt entschlüsselten sie bis Kriegsende 63 Millionen versandte Zeichen der deutschen Wehrmacht.