06.06.2004

MATRIX FORUM

"Musik ist wie Wasser"

"Die Leute geben heute nicht weniger Geld für Musik aus. Sie geben nur weniger für das Produkt aus, in das Musik abgefüllt wird?, fasst Jim Griffin eine grundlegende Problematik zusammen.

Er leitete die Technologie-Abteilung von Geffen Records bevor er sich mit "Cherry Lane Digital? als Berater für den digitalen Vertrieb von Musik und Kunst selbstständig machte.

Das Nudelsuppennetzwerk

Bekannt wurde er auch mit seinem Pho-Netzwerk, einer illustren Runde aus Musikern, Anwälten, Bandmanagern, Leuten von Plattenfirmen, New-Media-Consultants, Journalisten und Programmierern, die sich jeden Sonntag zum Mittagessen und Diskutieren in einem vietnamesischen Restaurant in China Town, Los Angeles trifft.

Was auf den Tisch kommt, ist die Krise der Musikindustrie und Pho, ein traditionelles Nudelsuppengericht, das dem Stammtisch auch seinen Namen gegeben hat. Mittlerweile hat das sonntägliche Nudelsuppen-Essen weltweit Runde gemacht und bringt auch in London, Berlin oder Zürich Leute aus der Musik- und Internetbranche zusammen, die neue Ideen in die Debatte einspeisen.

Als die Akustik elektronisch wurde...

"Wir müssen in die Vergangenheit schauen, um mehr über die Zukunft zu erfahren", so Griffin. Die Verbreitung des Radios in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts sei viel revolutionärer gewesen ? sowohl für Musikschaffende als auch für Musikkonsumenten.

"In unseren Gesprächsrunden reden wir viel über die Anfänge des Radios und des Fernsehens, über die ersten Lautsprecher und vor allem darüber, was sich durch die Elektrizität verändert hat. Was hat das bedeutet, als die Akustik elektronisch wurde, wenn wir diesen Übergang verstehen, dann werden wir auch den Übergang zur digitalen Technologie besser verstehen."

All you can use...

Der Musikindustrie wirft Jim Griffin vor, Piraten zu sehen, wo sie gute Kunden sehen sollte. Sein Credo lautet: ?Wir können die Anarchie zu Geld machen. Was fehlt, sind faire Angebote.?

Er plädiert für Pauschalabgaben. Denn geistiges Eigentum, wie Kunst, Musik oder Wissen vertrage sich nicht mit Kontrollsystemen.

Ein gutes Beispiel sei Wasser, es fließt aus der Leitung oder kostet zwei Euro für eine kleine Flasche - und dazwischen gibt es noch viele andere Möglichkeiten, Wasser zu konsumieren. Auch für die digitale Verbreitung von Musik werde es viele Geschäftsmodelle geben, meint Jim Griffin.

Manche werden die Kunden pro Song zur Kasse bitten, wie das der Apple Musicstore iTunes bereits macht. Andere Dienste werden eine monatliche Pauschale verlangen und dafür ?All you can use? anbieten.

?Ein Geschäftsmann wird es attraktiv finden, einen Euro pro Song zu zahlen, ein Teenager wird vielleicht sagen, auf meinem iPod haben 20.000 Songs Platz, ich kann nicht 20.000 Euro ausgeben um meinen iPod abzufüllen.?