Häuselbauen mit dem Rechner
In seinem Film "Gladiator" zeigt Regisseur Ridley Scott das antike Rom des Jahres 180 nach Christus in all seiner Pracht und Herrlichkeit.
Wenn Russell Crowe und seine Kumpane staunend vor dem Kolosseum stehen, in dem sie in Kürze einen Kampf auf Leben und Tod führen werden, schauen sie in Wirklichkeit aber nur in den leeren Himmel.
Denn Ridley Scott konnte trotz großen Budgets für seinen Film das antike Rom nicht wieder aufbauen lassen. Die Stadt samt Kolosseum wurde fast zur Gänze am Computer entworfen und zum Leben erweckt.
Virtuelle Wohnungsbesichtigung
Gebäude virtuell zu errichten, die nicht mehr oder noch nicht existieren, bleibt aber nicht allein Hollywood überlassen. Auch im Alltag nimmt die digitale Visualisierung von Architektur einen immer größeren Stellenwert ein. Denn wer kann sich schon ein Haus vorstellen, das noch eine Baustelle ist oder womöglich erst als Plan existiert?
"Der Kunde will wissen, was er für sein Geld bekommt", sagt der Architekt Christoph Schiener, der sich mit seinem Büro "Virtual One" auf Architektur-Visualisierung spezialisiert hat.
Deshalb sei es wichtig, nicht nur die Maße und Grundrisse, sondern auch die Materialien, Strukturen und Lichtverhältnisse möglichst realistisch zu zeichnen.
Architekturvisualisierung ist durch 3D-Programme mit fertigen Bibliotheken für Texturen wesentlich einfacher geworden, allerdings besteht auch die Gefahr der Beliebigkeit oder "Billigkeit".
Wenn man gute Visualisierungen machen wolle, so Christoph Schiener, müsse man schon auch eigene Texturen und Darstellungen entwickeln.
Virtual OneCoop Himmelb[l]au
Um der Gefahr der Beliebigkeit zu entgehen und weil digitale Bilder nach einer Studie des MIT rasch wieder vergessen werden, setzt das Architekturbüro Coop Himmelb[l]au auf die Verbindung von digitalen und analogen Medien.
Für die Präsentation der BMW-Erlebniswelt in München wurde ein analoges Modell gebaut und von einem Filmteam aus Hollywood analog gefilmt. Das Material wurde dann digitalisiert, um Fußböden, Farben und andere Details rasch verändern zu können.
~ Link: Coop Himmelb(l)au (http://coop-himmelblau.at/index_frames.htm) ~
Stadtplanung in 3D
Rasche Veränderung von dreidimensionalen Welten nützt auch der Stadtplanung. Zum Beispiel, wenn es darum geht, die Auswirkungen eines geplanten Hochhauses auf das Stadtbild zu überprüfen oder eine neue Straßen-Beleuchtung anzuschaffen.
Graz gibt es bereits in 3D, entwickelt vom Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung, VRVis.
Graz 3DHeute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Sonja Bettel fragte Architekten und Architekturvisualisierer,
welche schönen Aussichten und neuen Einsichten durch
3D-Computermodelle möglich sind.
matrix zum Download für Ö1-Clubmitglieder
Schöne Aussichten - Neue EinsichtenAm 4. und 5. Juni finden österreichweit die Architekturtage 2004 statt, näheres dazu unter:
www.architekturtage.at
