16.05.2004

MATRIX FORUM

Der Regisseur als Programmierer

Immer mehr Spielfilme und Dokumentationen werden heutzutage mit digitalem Equipment gedreht und anschließend am Computer geschnitten.

Selbst Großproduktionen wie jüngst der Hollywood-Film "Unterwegs nach Cold Mountain" werden mit Apples "Final Cut Pro" geschnitten.

Der große Vorteil einer Filmproduktion auf digitaler Grundlage ist, dass sie im Gegensatz zu früher nicht-linear ist und damit dem Regisseur bisher ungeahnte Freiheiten bei der Gestaltung und beim Schnitt des Filmes gewährt.

Fragmentierung von Filmen

Bereits mit dem Aufkommen der DVD kam es zu einer Fragmentierung von Filmen und zum Aufbrechen ihrer linearen und vom Regisseur fix vorgegebenen Form.

Das "Korsakow-System" gibt dem Betrachter nun noch weitere Möglichkeiten der Interaktion in die Hand. Entwickelt wurde das Software-basierte System im Jahr 2000 vom Studenten Florian Thalhofer an der Universität der Künste in Berlin. Und zwar im Rahmen seiner Diplomarbeit, die in Form eines Dokumentarfilm über das unter Alkoholikern verbreitete "Korsakow-Syndrom" erfolgte.

Thalhofer machte zahlreiche Interviews und drehte illustrative Bilder zum Thema. Die solcherart entstandenen Sequenzen und Szenen montierte er dann allerdings nicht zu einem herkömmlichen Dokumentarfilm, sondern er entwickelte eine Software, die die einzelnen Elemente von selbst und sinnvoll miteinander verknüpfen sollte.

Spreading the Word

Thalhofer machte im Jahr 2000 bei Willem Velthoven, Chefredakteur des Mediamatic Magazin in Amsterdam und seit fünf Jahren Professor für interaktive Narration an der Berliner Universität der Künste, seine Diplomarbeit bzw. seinen Film in Fragmenten über das "Korsakow-Syndrom".

Velthoven erkannte sofort das Potential der von Thalhofer geleisteten Arbeit und entwickelte sich in der Folge zu einem Mentor des "Korsakow-Systems".

"Korsakow"-Projekt über Beduinen

Florian Thalhofer sieht sich weniger als Theoretiker und mehr als Praktiker. Aus diesem Grund arbeitet er auch weniger für die "Korsakow Fondation" und mehr an eigenen Projekten.

Sein bis dato letztes Projekt entstand 2003 in Ägypten. Thalhofer verbrachte auf Einladung des Goethe-Instituts mehrere Monate in Kairo, um dort gemeinsam mit dem ägyptischen Medienkünstler Mahmoud Hamdy ein "Korsakow"-Projekt über Beduinen zu machen.