Online-Arzt-Konsultation im Flugzeug
Die Lufthansa will gemeinsam mit Ärzten des Berliner Krankenhauses Charite die medizinische Versorgung von Notfallpatienten an Bord verbessern und damit zugleich Geld für unnötige Ausweichlandungen sparen.
Ab kommender Woche testet die Fluglinie nach einem Bericht des "Tagesspiegels" weltweit erstmals einen Medizincomputer, der etwa bei einem Patienten mit Herzanfall ein EKG erstellt und Blutwerte misst.
Die Daten werden dann per Internet an einen Arzt auf dem Boden übertragen, der den Patienten zusätzlich über eine Webcam in Augenschein nehmen kann. Der Arzt soll dann per Ferndiagnose Behandlungsempfehlungen geben oder eine Ausweichlandung anordnen können, um einen erkrankten Passagier schnell in eine Klinik zu bringen.
Bewährt sich der Notfall-Alleskönner, soll er in einem Jahr in Serie gehen, sagt Manfred Dietel, Telemedizin-Beauftragter der Charite. Dabei hofft die Universitätsklinik dem Bericht zufolge auf einen weltweiten Absatzmarkt für das Konzept.
Lufthansa-Langstrecken mit Internet-ZugangTest zwischen München und LA
Die technische Voraussetzung für die Telemedizin ist ein stabiler Internet-Zugang vom Flugzeug aus. Dieser steht dem Bericht zufolge ab dem 17. Mai zunächst in Lufthansa-Maschinen auf der Strecke München - Los Angeles zur Verfügung.
Bis zum Frühjahr 2006 sollen alle der rund 80 Langstreckenflugzeuge mit dem "Flynet" genannten Service ausgestattet werden.
Neben der besseren Versorgung der Passagiere rechnet sich das neue Verfahren dem Bericht zufolge auch für die Lufthansa. Mit einer kompetenten Ferndiagnose ließe sich auch manche der extrem teuren Ausweichlandungen vermeiden. Die Kosten dafür reichen von einigen tausend USD bis in den Hunderttausend-Dollar-Bereich, heißt es bei der Lufthansa. 2003 mussten deren Maschinen 35 Mal wegen eines medizinischen Notfalls außerplanmäßig landen.
