"Neurosounds" für Computerspiele
Bei dem Geräusch kratzender Fingernägel oder einer quietschenden Kreide auf einer Tafel winden sich Zuhörer sofort ob dieser akustischen Qualen und halten sich die Ohren zu.
Eine US-Firma glaubt daran, dass Reaktionen wie diese wissenschaftlich begründ- und erforschbar sind.
Die Firma NeuroPop integriert gezielt neurosensorische Algorithmen in Musikstücke, um emotionale Stimmungen und eine erhöhte Aufmerksamkeit bei den Zuhörern hervorzurufen.
Zur Anwendung kommen sollen diese präparierten Sounds in Computerspielen, Filmen und bei anderen virtuellen Umgebungen.
Filmmusik ist so alt wie das Medium Film selbst. Mit Hilfe von Rhythmik, Klang und Dynamik wird versucht, den Zuschauern eine bestimmte Stimmung zu vermitteln. Zudem wird die Filmmusik als Marketinginstrument eingesetzt.
NeuroPopSound-Bibliothek erstellt
"Wir wollen etwas tun, das im Kopf der Leute wirkt," so Lance Massey, Kreativchef bei NeuroPop. Die erste CD "Overload: The Sonic Intoxicant" enthält Titel, die beim Entspannen helfen sollen, aber auch Sounds, die etwa bei einigen ein Seekrankheits-Gefühl auslöst.
"Wir haben untersucht, welche Sounds welche Reaktionen hervorrufen und haben diese dann in existierende Musikstücke eingearbeitet," so NeuroPop-CTO Seth Horowitz.
Um eine bestimmte Reaktion hervorzurufen, muss vorher eruiert werden, welcher Teil des Gehirns für die gewünschte Wirkung zuständig ist. Ist dies geklärt, wird ermittelt, wodurch dieser Teil stimuliert werden kann.
"Analysiert man anschließend die Verbindungsmuster von geräuschempfindlichen Teilen des Gehirns mit geräuschunempfindlichen Teilen, entsteht so langsam eine Bibliothek von Sounds für alle möglichen Reaktionen," so Horowitz weiter.
In der Vergangenheit hat NeuroPop erfolglos versucht, mit der Werbewirtschaft zu arbeiten - ohne Erfolg. "Im Nachhinein gesehen, ist es einfach ein zwielichtiges Gebiet," so Massey. "Schon jetzt versucht die Werbung uns mit manipulativen Botschaften zu lenken. Die brauchen dabei keine Hilfe mehr."
Details zu NeuroPop [pdf]In Forscherkreisen umstritten
In Forscherkreisen ist jedoch umstritten, ob das Projekt auf wissenschaftlichen Grundlagen basiert. So übt auch Mark Tramo, Chef des Institute for Music & Brain Science, Kritik an der vorschnellen Firma.
"Solange die empirische Arbeit nicht fertiggestellt ist, kann diese Geräusch-CD genauso ein Quacksalberprodukt sein," so Tramo. "Würde man bereits wissen, wie das Gehirn Musik verarbeitet, könnte man schließlich auch verstehen, wie das Gedächtnis oder Talent und Kreativität funktionieren."
Die Zeit sei in jedem Fall reif für eine umfassende Studie über die Zusammenhänge von Musik und Neurowissenschaft. NeuroPop-CTO Horowitz hat angekündigt, in einem Jahr eine Studie zu seiner Arbeit zu veröffentlichen.
