Spielekonsolen vom Aussterben bedroht

20.10.2007

Wurden Spielekonsolen bisher als Heimunterhaltungszentralen beworben, könnte es in Zukunft genau umgekehrt kommen. Server-basierte Spiele und Internet-fähige Set-Top-Boxen könnten Konsolen wieder aus dem Wohnzimmer verdrängen.

Online-Einigkeit bei Konsolen gefordert

Bei der Online-Strategie kocht bisher jeder Konsolenhersteller sein eigenes Süppchen. Microsoft, Sony and Nintendo sollen das Konsolen-Kriegsbeil begraben und stattdessen lieber eine einheitliche Online-Spieleplattform aufbauen, fordert der Spieleentwickler Electronic Arts.

"Wir wollen eine offene Standard-Plattform, statt fünf nicht untereinander kompatible", fordert Gerhard Florin, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Generalmanager International Publishing bei Electronic Arts.

Derzeit produziert EA Spiele für mehr als 14 verschiedene Spielesysteme – von PC-Games über Konsolen bis zu mobilen Geräten.

Zukunft gehört Server-basierten Spielen

Nach Einschätzung von Florin werden in Zukunft vor allem Server-basierte Spiele, die auf PCs oder Set-Top-Boxen gestreamt werden, eine große Rolle spielen.

"Man braucht dann keine Xbox 360, PS3 oder Wii mehr – der Kunde wird gar nicht merken, auf welcher Plattform er gerade spielt", so Florin.

Electronic Arts [EA] ist der weltweit größte Verleger und Entwickler von Computer- und Videospielen. Der Konzern beschäftigt weltweit 7.200 Mitarbeiter. Zuletzt kaufte EA die Spielstudios BioWare und Pandemic für rund 860 Millionen Dollar [rund 605 Mio. Euro].

Schon in den 80er Jahren führte Microsoft eine Initiative zur Entwicklung einer allgemeinen Heimcomputer-Plattform namens MSX an. Zu den Unterstützern zählten auch Sony und Philips. Der Standard wurde in Japan zur beliebten Spieleplattform, bei Aufkommen von PC und Konsolen starb er aber aus.

70-Euro-Set-Top-Box "made in China"

Auch viele Spieleexperten sind sich sicher, dass die Zukunft des Spielens nicht bei einzelnen Konsolen liegt.

"Künftig wird ein Online-Gamer nur noch eine 70-Euro-Set-Top-Box 'made in China' aus dem Supermarkt mit Festplatte, drahtlosem Internet-Zugang und einer Spieleengine benötigen", ist auch Analyst Nick Parker überzeugt.

"Im Prinzip ist das nichts anderes als ein abgespeckter PC und es gibt jede Menge Firmen, die in diesen Markt drängen", so Parker. "Die Set-Top-Box könnte die Funktion einer Konsole übernehmen und eigenständige Konsolen damit überflüssig machen. Die Spiele werden einfach über das Netz vertrieben."

Wii-, Playstation- und Xbox-Channel

Derzeit sieht es zwar nicht danach aus, als würden sich die geschlossenen Systeme zugunsten einer offenen Plattform öffnen

Doch auch hier könnten die Konsolenhersteller einen neuen Weg einschlagen und ihre Services auch anderen Herstellern anbieten. "Es könnte einen Nintendo-Kanal, einen Playstation-Kanal und einen Xbox-Kanal auf der Set-Top-Box geben," so Parker.

Microsoft und Sony bewerben ihre Konsolen seit jeher als Heimunterhaltungszentralen, Erfolg stellte sich bisher allerdings nur auf dem Spielesektor ein. Microsoft hat bisher kaum Vereinbarungen über Video-Inhalte getroffen, auch Sony scheiterte schon im eigenen Haus bei der Lizenzierung von Inhalten von Sony Pictures und MGM.

(BBC)