22.04.2004

NACHSPIEL

Ex-Metabox-Chef vor Gericht

Im Dot.com-Zeitalter war alles möglich: Mit Hilfe so genannter Set-Top-Boxen wollte Stefan Domeyer den Internet-Anschluss mit dem Fernsehgerät ermöglichen.

Bis an die Börse brachte es seine Hildesheimer Metabox AG mit dem Konzept - inzwischen gibt es das Unternehmen nicht mehr. Nun muss sich der inzwischen 42-jährige Domeyer vom kommenden Montag an vor dem Hildesheimer Landgericht wegen Kursmanipulationen verantworten.

Damit fällt der Prozess in eine Reihe von juristischen Nachspielen bei New-Economy-Firmen: Erst am 14. April begann der Untreueprozess gegen Kinowelt-Vorstand Michael Kölmel vor dem Münchner Landgericht.

Nachdem Metabox seit 2001 auf dem Neuen Markt notiert war, wechselten die Hildesheimer im April 2002 auf den Geregelten Markt. Ende 2002 wurde dann das Insolvenzverfahren gegen das Unternehmen eröffnet. Settop-Boxen produziert inzwischen die Mainzer Firma ITV, eine ehemalige Metabox-Tochter.

Die Vorwürfe gegen Domeyer wiegen schwer: Im Juni 2000 kündigte er in einer Ad-hoc-Meldung an, dass seine Firma einen Vorvertrag mit einem skandinavischen Konsortium über den Verkauf von 1,8 Millionen Set-Top-Boxen abgeschlossen habe. Der Kurs der Metabox-Aktie verdoppelte sich nach Veröffentlichung dieser Meldung von 69 auf 139 Euro.

In einer weiteren Ad-hoc-Meldung vom April 2000 wurde ein Vertrag über den Verkauf von Set-Top-Boxen im Volumen von stolzen 500 Millionen Euro angekündigt. Auch hier schoss der Metabox-Kurs nach der Veröffentlichung sprunghaft an.

Im Falle seiner Verurteilung droht ihm eine Geldstrafe oder sogar eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren. Domeyer selbst hüllt sich bisher zu den Vorwürfen in Schweigen.