Alternate Reality Games: Werbung als Spiel

14.10.2007

Die in der Nähe von Los Angeles ansässige Firma 42 Entertainment inszeniert für ihre Werbepartner Alternate Reality Games - multimediale Schnitzeljagden, bei denen das beworbene Produkt allenfalls eine Nebenrolle spielt.

Als Warner Bros. im Jahr 2001 Steven Spielbergs Science-Fiction-Film "AI" bewarb, fand sich auf dem Poster des Films neben den üblichen Namensnennungen der Schauspieler und Crew-Mitglieder auch eine Würdigung für eine gewisse Jeannine Salla als "Therapeutin für Maschinen mit Gefühlen".

Die Enstehung eines Genres

Aufmerksamen Sci-Fi-Fans fiel zudem bald auf, dass einige der Poster eine verschlüsselte Telefonnummer enthielten. Sie griffen zum Hörer - und starteten damit eine multimediale Schnitzeljagd, die über Wochen Zigtausende von Spielern auf der ganzen Welt beschäftigte.

Das Spiel wurde von den Gründern der kalifornischen Firma 42 Entertainment organisiert. "Das war der Anfang eines wachsenden Genres", sagt 42-Mitarbeiter Steve Peters. "Einer neuen Art und Weise, Geschichten zu erzählen."

Hinweise in Honig

Spielbergs "AI"-Kampagne folgte eine ganze Reihe weiterer netzbasierter Rätsel, die im Netz auch als Alternate Reality Games bezeichnet werden. So organisierte 42 Entertainment für Microsofts Videospiel "Halo 2" eine Kampagne, bei der Spielern Gläser mit Honig zugeschickt wurden.

Inmitten der klebrigen Masse fanden sich die ersten Hinweise, die zu einer Website führten. Von dort aus gelangten Spieler wiederum zu Telefonzellen rund um die Welt, die zu einer vorgegebenen Zeit angerufen wurden.

Peters dazu: "Es ist wie Archäologie. Du findest ein Bruchstück, das dich zum nächsten Bruchstück bringt, und dann zum nächsten Bruchstück."

Flüstern statt Schreien

Doch was haben Firmen eigentlich davon, wenn die Zielgruppe fleißig Rätsel löst, aber dabei nichts über das eigene Produkt lernt?

Peters entgegnet, dass die Kampagnen seiner Firma das Produkt immerhin ins Gespräch bringen. Das sei heute oftmals mehr wert als aggressive Werbung. Sein Fazit: "Unser Grundsatz ist, dass du flüsternd manchmal mehr erreichst, als wenn du schreist."

Am Sonntag, den 14.10., 22.30 Uhr im Ö1-Magazin "matrix"

Janko Röttgers hat Alternate-Reality-Game-Designer Steve Peters von 42 Entertainment im kalifornischen Pasadena interviewt.

(futurezone | Janko Röttgers)