EU genehmigt Sony-BMG-Fusion erneut
Die EU-Kommission hat den Zusammenschluss der Bertelsmann-Musiksparte BMG mit Sony Music zur weltweit zweitgrößten Plattenfirma Sony BMG erneut ohne Auflagen gebilligt.
Die Transaktion werfe keine Wettbewerbsprobleme auf, teilte die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes am Mittwoch in Brüssel nach einer vertieften Untersuchung mit.
Kroes stand unter besonderem Druck, da das EU-Gericht in Luxemburg im Juli 2006 die erste Billigung der Kommission für dieses Vorhaben aus dem Jahr 2004 gekippt hatte. Geklagt hatten unabhängige Musikfirmen.
Das Gemeinschaftsunternehmen war 2004 als Reaktion auf die sich dramatisch verändernde Situation auf dem Musikmarkt mit Piraterie und illegalen Downloads aus dem Internet gegründet worden und ist nach Universal Music die Nummer zwei der Branche.
Markt bricht weiter ein
Seit 2004 ist der Markt mit festen Tonträgern wie CDs weiter deutlich eingebrochen. Der Bertelsmann-Musikumsatz, der 50 Prozent des Umsatzes von Sony BMG ausmacht, sank im ersten Halbjahr 2007 von 705 Millionen Euro auf 631 Millionen Euro.
Nach Angaben von Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe hat allein in den ersten sechs Monaten 2007 der seit Jahren schrumpfende weltweite Tonträgermarkt um weitere 20 Prozent abgenommen. Das Wachstum des digitalen Geschäfts habe nur acht Prozentpunkte ausgeglichen, so dass der Gesamtmarkt um zwölf Prozent schrumpfte, sagte Rabe am Mittwoch.
Zurück zum Verlagsgeschäft
Es sei daher erklärtes Ziel von Sony BMG, eine breitere Erlösbasis zu suchen, wozu auch wieder ein Verlagsgeschäft gehören könne.
Bertelsmann hatte seinen ertragreichen Musikverlag BMG Music Publishing im vergangenen Jahr für 1,63 Milliarden Euro an Universal Music verkauft, um einen Aktienrückkauf vom belgischen Minderheitsaktionär Groupe Bruxelles Lambert [GBL] für 4,5 Milliarden Euro zum Teil gegenzufinanzieren.
Lösung für Napster-Problem gesucht
Nach der Fusion will Bertelsmann nun auch eine Einigung mit Sony im Streit über die die ehemals illegale Musiktauschbörse Napster herbeiführen. Bertelsmann hatte die damals illegale Tauschbörse im Jahr 2002 mit 80 Millionen US-Dollar unterstützt. Daraufhin klagten die Konkurrenten aus der Musikbranche Bertelsmann auf 17 Milliarden US-Dollar Schadensersatz.
Bertelsmann muss bisher insgesamt rund 300 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Sony hatte erklärt, man wolle als Bertelsmann-Partner nicht vor Gericht ziehen, aber ähnlich wie die Konkurrenz behandelt werden.
(dpa)
