Deutschland streitet über P2P
Die Klagewelle der angeschlagenen Musikindustrie gegen Nutzer von Internet-Tauschbörsen erhitzt nun auch in Deutschland die Gemüter. SPD und Grüne planen dazu auch eine parlamentarische Anhörung zur Lage der Musik in Deutschland.
Sie soll im Kulturausschuss des Bundestages während der Musikmesse Popkomm in Berlin [29.9.-1.10] stattfinden, kündigten die kulturpolitischen Sprecher ihrer Fraktionen, Eckardt Barthel und Antje Vollmer, am Freitag an. Zur Begründung wiesen sie auf die Krise der deutschen Musikindustrie hin.
Verschiedene Ursachen führten in der Branche zu immensen Umsatzeinbußen und Entlassungen. Dazu gehörten die Konzentration auf nur noch wenige große Label, die veränderte Situation in den Rundfunksendern, das massenhafte Brennen von CDs und der illegale Tauschhandel im Internet.
Wie bereits letztes Jahr mehrmals angekündigt, verklagt die Musikindustrie nun auch Tauschbörsennutzer außerhalb der USA. Insgesamt würden 247 User in Deutschland, Italien, Dänemark und Kanada verklagt, gab die IFPI, der Verband der Phonoverbände, am Dienstag bekannt.
Musikindustrie weitet P2P-Klagewelle ausRechtmäßigkeit umstritten
Die ersten 68 Klagen in Deutschland sollen eine abschreckende Wirkung haben, doch über die Rechtmäßigkeit der Anschuldigungen herrscht über Ländergrenzen hinweg keine Einigkeit.
So sei der einfache Tausch von Musik über das Internet etwa über die derzeit populären Peer-to-Peer-Plattformen auf Grund des Rechts der Privatkopie völlig legal, meint Andy Müller-Maguhn, Sprecher des Chaos Computer Clubs [CCC] in Hamburg.
Auf eine künftige Kooperationen zwischen Peer-to-peer-Betreibern und der Unterhaltungsindustrie hofft unterdessen Nikki Hemming, Manager von Sharman Networks, Betreiber der populären Tauschbörse KaZaA, in der Online-Ausgabe des "Toronto Star".
Die Hoffnung Hemmings ist theoretisch nicht unbegründet. Erst diese Woche berichtete das Online-Magazin "SiliconValley.com", dass die Musik-Labels die umstritten Tauschbörsen längst auch für ihre eigenen Zwecke nutzen. Peer-to-peer-Netzwerke sind für die Industrie ein ideales Instrument, um den Markt zu beobachten. So nehmen Musikverlage "diskret" den Service der Marktforschungsfirma BigChamagne des Filesharing-Experten Eric Garland in Los Angeles in Anspruch. Über ihn erfahren sie, welche Songs derzeit am populärsten sind.
