Ein Internet-Protokoll "für Menschen"
"Derzeit haben wir ein Internet für Computer, IPv4 verbindet Geräte", so Latif Ladid, Präsident des Ipv6-Forums [Internet Protokoll, Version 6] und Vorsitzender der EU IPv6-Task-Force. "IPv6 verbindet Menschen."
Der Siegeszug des World Wide Web hat den auf etwa vier Milliarden begrenzten Adressraum des Internets zu eng werden lassen. Die EU hat bereits 2002 vor einem Knappwerden der IP-Adressen gewarnt, weltweit waren 2003 bereits zwei Drittel der verfügbaren IP-Adressen vergeben. Fixe IP-Adressen sind also bereits eine Mangelware.
Latif Ladid: "IP-Adressen werden nicht verteilt, sondern geteilt, wie in einem kommunistischen System, eine Adresse dient heute zehn Leuten".
Nationale IPv6 Initiative
Mit 31. März startete die Telekom Austria in Kooperation mit der
RTR und der Universität Wien eine österreichische IPv6 Initiative.
Eine Reihe von Unternehmen, wie Siemens, HP, Alcatel, Cisco, IBM
oder Microsoft unterstützen das Vorhaben und wollen bis Ende des
Jahres eine so genannte "Road Map" erarbeiten, die die
Implementierung des neuen Standards zum Ziel hat, erklärt Helmut
Leopold, Leiter des Plattform- und Technologiemanagements der
Telekom Austria.
Österreichisches IPv6 KolloquiumEine Adresse für jedes Gerät
Wer keine fixe IP-Adresse hat und sich ins Internet einwählt, erhält die nächste freie, also eine temporäre Adresse und kann damit eigentlich nur surfen, so Latif Ladid. "Das Web ist eine Applikation für Bibliotheken, wir müssen über dieses Stadium hinausgehen."
Das IPv6 Forum wurde innerhalb der IETF, der "Internet Engineering Task Force" 1999 ins Leben gerufen um das derzeitige Internet weiterzuentwickeln. Die IETF kann man sich als eine Art Reperaturwerkstatt für das Internet vorstellen, so Latif Ladid.
Das neue Protokoll erhöht die Zahl der IP-Adressen unter denen Geräte "und damit Menschen" via Internet erreichbar sind auf zwei hoch 128 oder 1.500 Adressen pro Quadratmeter auf der Welt.
Damit können in Zukunft nicht nur Handys über eine eindeutige Identifikation verfügen, sondern auch Set-Top-Boxen, Haushaltsgeräte oder Autos.
matrix - computer & neue medienAutomatikschaltung fürs Web
Für Voice over IP würde das Internet der nächsten Generation ebenfalls einen großen Markt eröffnen, so Latif Ladid. Denn für die Internet-Telefonie bedarf es einer fixen Nummer, ohne gesicherte "End-to-End" Verbindung könne es keinen Rückruf geben.
Neben dem primären Ziel den Adressraum zu erweitern bringe IPv6 auch Erleichterungen für zukünftige Anwendungen der globalen Informationsgesellschaft. Das neue Protokoll und damit die direkte Adressierung von Endgeräten schaffe die Grundlage für neue mobile Dienste:
"Der Enduser sollte überhaupt nicht von IPv6 merken, das muss einfach funktionieren. Heute ist das Internet noch wie ein Auto mit einer manuellen Kupplung, das wird sich ändern, wir müssen da auch eine Automatik einbauen."
Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Ina Zwerger hat Latif Ladid, den Präsidenten des internationalen
IPv6 Forums zum Übergang in die "Neuzeit" des Internets befragt.
Mariann Unterluggauer beantwortet die Frage: "Wozu braucht man
Informationstechniken bei der Lebensmittelproduktion."
Computerprogramme schmecken nichts
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