Campus 2.0: Handwerk trifft Hightech
"Neoanaloges" auf der Ars Electronica
Digitales stinkt nicht. Das stört Mischa Schaub, Leiter des Schweizer Instituts für postindustrielles Design und Kurator der diesjährigen Campus-Ausstellung auf der Ars Electronica.
Die weitgehend bildschirmlose Ausstellung "Campus 2.0" geht unter dem Motto "neoanalog" einer neuen Strömung im Design nach, die abstrakte Digitaltechnologie wieder sinnlich machen will.
Schaub hat junge Kunst- und Designstudierende animiert, Neoanaloges zu entwerfen. Holz, Metall, Leder, Glas und Stoff sollen die neuen Bauteile sein, aus denen technologische Gadgets gemacht sind.
Selber Bildhauer und Industriedesigner, hat Schaub am eigenen Leib erfahren, wie die digitale Welle seinen Arbeitsplatz erfasst und die Werkbank durch den Desktop ersetzt hat.
In der Verbindung von Hightech und Handwerk - dem, was er neoanalog nennt - sieht er das Design der Zukunft. Computer, Displays und Tastaturen sollen sich nicht mehr wie solche anfühlen oder aussehen.
Binärcode als Muster
Seit fünf Jahren lädt die Ars Electronica unter dem Titel "Campus" eine auf dem Gebiet der Medienkunst führende Kunstuniversität ein. 2007 organisierte das Basler Institut Hyperwerk zum ersten Mal ein internationales "Gathering" von Kunstuniversitäten unter dem gemeinsamen Thema "neoanalog".
60 Vorschläge und Prototypen dazu gab es auf der Ausstellung in der Linzer Kunstuniversität zu bestaunen. Sehr vielseitig waren die Ideen dazu. Sie reichten von experimentellen Musikinstrumenten über Kleidungsstücke, die den Binärcode einer Kreditkarte als Muster in sich tragen, bis hin zu intelligenten Teebeuteln.
Neoanaloge Grüße an den Datenschutz
Passend zum diesjährigen Thema der Ars Electronica, "Goodbye Privacy", hängte Hyperwerk 250 schwarze Boxer-Shorts zwischen die beiden markanten Gebäude der Kunstuniversität und der Finanzverwaltung auf dem Linzer Hauptplatz.
Gemeinsam mit einer notenlinienartig fünfreihig gespannten Wäscheleine und einigen Robotern formte die Installation "Clothesline Display" ein sehr großes, billiges und "neoanaloges" Matrix-Display.
Mit den Unterhosen als Pixeln schrieben die Hyperwerk-Studenten wechselnde Botschaften in den Himmel. "Hard Rain" als Wettervorhersage für die Ars-Besucher, "Hello World" und zum Abschied "Good Bye" waren etwa zu lesen.
Für die nächsten Jahre plant Hyperwerk mit der Ars Electronica bereits eine Weiterführung des Projekts "neoanalog". Allerdings nicht mehr unter dem Label "Campus", denn Schaub will mit seinem Anliegen ernst genommen werden.
Wer weiß? Vielleicht wird "neoanalog" ja sogar zum Thema der Ars Electronica 2008. Mehr dazu am Sonntag um 22.30 Uhr im Ö1-Magazin "matrix".
(Anna Masoner)
