Google: "Wir sind keine Kriminologen"

13.09.2007

Die Botschaften der am Mittwoch verhafteten Islamisten wurden unter anderem auch auf Googles Weblog-Plattform Blogspot veröffentlicht. Eine Kontrolle der eigenen Angebote schließt Kurt Pall, Chef von Google Österreich, aber aus: "Wir sind eine Suchmaschine, keine Kriminologen."

"Das Internet ist zum Teil des Lebens geworden, leider bewegt sich das oft im breitesten Spektrum, das kann man gar nicht verhindern", sagte Pall am Donnerstag.

Google sei für "Freiheit im Netz und ist bestrebt, alle Informationen der Welt verfügbar zu machen". Zwar müssten illegale Botschaften sehr wohl eingedämmt werden, in dieser Hinsicht sei aber schon viel getan worden, ist er überzeugt. Prinzipiell sei das aber Aufgabe des Gesetzgebers.

Selbstreinigende Community?

Google setze dafür auf die Macht der Community. Blogspot-Nutzer können selber auf bedenkliche Inhalte aufmerksam machen.

Der zugehörige Button wird laut Pall in Österreich "sehr wohl" benutzt: "Im demokratischen Internet wird es zur Grundvoraussetzung, dass eine Selbstbereinigung stattfindet."

In China zensieren Google, Yahoo und Microsoft die Inhalte, die chinesische Nutzer in den Suchmaschinen angezeigt bekommen.

Google will keine Bomben blocken

Google hält laut eigenen Aussagen auch nichts davon, seine Suchalgorithmen zur Verfolgung bedenklicher Inhalte einzusetzen.

"Es gibt keine Form der Zensur oder Suche nach Keywords wie 'Bombe'. Damit wäre der Informationsfindung und Demokratie nicht geholfen", sagte Kay Oberbeck von Google Deutschland, zuständig unter anderem für technischen Fragen des Internet-Unternehmens, und fügte hinzu: "Es gibt ja auch keine Ausgangssperre, weil im Dunkeln Verbrechen passieren."

Große Suchmaschinen wie Google und Yahoo arbeiten laut Oberbeck in Deutschland dennoch seit einigen Jahren freiwillig mit dem Verein Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia [FSM] und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Medien [BPJM] zusammen: "Sie unterhalten eine geheime Liste mit Internet-Adressen, die durch illegale Inhalte aufgefallen sind, wie zum Beispiel Volksverhetzung oder Kinderpornos."

Vor allem US-Sites ausgeblendet

Die Websites werden von den Internet-Firmen in die Suchindizes eingespeist und bei einer Suche von vornherein übersprungen, so Oberbeck. Eine ähnliche Liste eigens für Österreich gebe es seines Wissens nicht.

Sie beinhalte "hauptsächlich Seiten aus den USA, aber auch aus dem osteuropäischen Raum", sagte Markus Tietze vom BPJM.

Justizkommissar Frattini hatte am Dienstag mit der Forderung aufhorchen lassen, in Zukunft die Internet-Suche nach "Bombe" und "Genozid" unterbinden zu wollen.

(APA)