20 Jahre Mobilfunk-Weltmacht GSM
Der vor 20 Jahren eingeführte europäische Mobilfunkstandard GSM hält bei 85 Prozent des Handyweltmarkts. 2,5 Milliarden Kunden telefonieren in 220 Ländern jährlich sieben Billionen Minuten lang über GSM. Die US-Konkurrenz liegt mit 350 Millionen Kunden weit zurück.
Vor genau 20 Jahren wurde in Kopenhagen eine als historisch anzusehende Vereinbarung von 15 Telekoms aus 13 Ländern unterzeichnet, die zur Entwicklung von GSM führte.
Der europäische Standard hat mit mehr als 2,5 Milliarden Nutzern in 218 Ländern den konkurrierenden US-Standard CDMA weit hinter sich gelassen. Der hat gerade einmal 350 Millionen Benutzer und einen Marktanteil von 13 Prozent, GSM kommt auf 85 Prozent.
Memorandum und Akronym
Das "Memorandum of Understanding" vom 7. September 1987 legte den Grundstein für das erste europaweite digitale Mobilfunksystem GSM. Das Akronym war ursprünglich für "Groupe Special Mobile" gestanden, später hieß es dann "Global System for Mobile Communications".
Die Vereinbarung ebnete auch den Weg für die Markteinführung von UMTS, die zum Aufbau von weltweit mehr als 120 mobilen Breitbandnetzen in 61 Ländern geführt hat.
Die Unterzeichner
Das Memorandum wurde am 7. September 1987 von Frankreich, Italien, Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Belgien, Irland, den Niederlanden und Portugal unterzeichnet. Spanien folgte am 10. September 1987. Den Standard erstellte das European Telecom Standards Institute.
Lob und Preis
"Die Vereinbarung von 1987 wird allgemein als der Grundstein der heutigen Mobilfunkindustrie angesehen und als Geburtsstunde einer der größten technischen Errungenschaften unserer Zeit", sagte Rob Conway, CEO von GSMA, der weltweiten Lobby für Mobilfunkanbieter.
Conway weiter, nicht ganz von Pathos frei: "Die frühe Vision unserer Industrie brachte eine internationale Zusammenarbeit auf einer unvorhergesehenen Ebene hervor, die zu einer sozioökonomischen Revolution geführt hat, die den Menschen, Firmen und Ländern weltweit Nutzen gebracht hat."
Mehr davon
"GSM ist wirklich die wichtigste Vereinbarung in der Geschichte der Telekommunikation", sagte Sir Christopher Gent, einer der damaligen Unterzeichner und nachmaliger CEO von Vodafone.
Dann legte der nunmehrige Vorsitzende des Chemiekonzerns GlaxoSmithKline noch ein Schäuferl nach: "Mit heute 2,5 Milliarden Anwendern rund um den Erdball hat sie mehr dazu beigetragen, die digitale Trennung zu überbrücken, als jede andere Innovation und ist ein einzigartiges Beispiel von weltweiter Zusammenarbeit."
Die Zahlen
GSM-Technologien machen 85 Prozent des weltweiten Mobilfunkmarktes aus, das sind etwa 1,6 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts. Jedes Jahr kaufen Mobilfunkkunden in 220 Ländern mehr als eine Milliarde neuer Handys, führen Gespräche über mehr als sieben Billionen Minuten und versenden etwa 2,5 Billionen SMS.
Der Lobby-Verband GSMA, der auch den 20. Jahrestag seiner Gründung durch diese Vereinbarung feiert, hat ein Filmteam in 20 Länder der Erde ausgeschickt. Von Südafrika, Kenia und Ruanda über China, Japan, Indien und Südkorea bis zu Europa und den USA werden GSM-basierte Mobilfunkdienste dokumentiert.
Nationale Märkte
Die größten nationalen GSM-Märkte sind in China [445 Mio. Kunden], Russland [160 Mio.] und Indien, das derzeit bei 137 Millionen GSM-Benutzern hält und Russland bald überflügeln wird. Das weitere Wachstum kommt nämlich von den "Emerging Markets", die jetzt schon einen Zweidrittelanteil an den GSM-Benutzern stellen.
Was weitere Wachstumsmöglichkeiten angeht, so deutet die bisherige Entwicklung auch weiterhin gewinnträchtige Zeiten an. Zwölf Jahre nach der Unterzeichnnung des Memorandums war eine Milliarde zusammengekommen, danach dauerte es nur 30 Monate, bis es doppelt so viele Benutzer waren.
