Napster holt langsam auf
Der Online-Musikdienst Napster, in Zeiten von beginnendem Filesharing absolute Nummer eins, hat derzeit mit einem Kunden- und Aufmerksamkeitsdefizit zu kämpfen. Doch Marktbeobachter sind überzeugt, dass es die bekannte Marke immer noch schaffen könnte.
Erst durch die Gerichte geschlossen, später durch Bertelsmann, dann durch Roxio übernommen, wurde das junge Unternehmen bald in den Bankrott geschickt. Bald darauf konnte die neue Unternehmensmutter Roxio jedoch eine Software vorstellen, die legalen Musik-Download samt Bezahlung ermöglicht. Roxios CEO Christopher Gorog war überzeugt: alleine der Markenname Napster würde die Kunden in Scharen zum Musikportal treiben.
Bis dato haben sich die Hoffnungen nicht erfüllt. Napster bleibt abgeschlagener Zweiter hinter Apples iTunes-Dienst. Die Roxio-Aktien sind von ursprünglichen 10,5 USD auf 3,8 USD gefallen.
Napster holt auf
Doch viele Analysten erklären Napster als noch lange nicht
geschlagen. Zwar ist die Konkurrenz Apples übermächtig - 75 Prozent
der wöchentlich drei Millionen verkauften Songs werden über iTunes
vertrieben. Aber Napster hat neuesten Markterhebungen zufolge
genauso viel Marktanteile wie alle anderen Rivalen zusammen - wie
etwa Wal-Mart, MusicMatch oder Best Buy.
MP3s erhalten KopierschutzBack to the roots
Der Anteil könnte sich in Zukunft erweitern. Napster setzt im Gegensatz zum Mitbewerb auf Abonnements, mit denen Kunden Musik hören, aber nicht besitzen. Konkret können Kunden für 9,95 USD monatlich soviel Musik hören, wie sie wollen.
Verbreitungsmotor Nummer eins ist wieder mal der College-Campus. Um Studenten von illegalem Filesharing abzuhalten, haben die Penn State University und die University of Rochester's Eastman School of Music beschlossen, ihren Studenten Gratis-Napster-Abos anzubieten. Es handelt sich zwar um Pilotprogramme, bei denen Roxio starke Ermäßigungen gewährt. Doch mittelfristig sollen die Studenten treue Kunden werden, die nach dem Studium gerne bereits sind, für den Service zu zahlen.
Andere Marktbeobachter geben dennoch zu bedenken, dass Roxio-Chef Gorog den Marktauftritt von Napster vermasselt hat. Gorog, einst Chef von Universals Themenparks, setzte auf Mundpropaganda und Presseaussendungen, anstatt die bekannte Marke Napster in einem Werbefeldzug a la Apple zu pushen. "Er hörte nicht auf Leute, die vom Musikbusiness mehr Ahnung haben als er", so ein Insider.
Abos und Einzelverkauf
Napster ist derzeit der einzige große Online-Musikstore, der
sowohl Abos als auch einzelne Songs anbietet. Forrester-Analyst Josh
Bernoff streicht die Bedeutung der Napster-Site hervor: "Der Service
ist extrem gut designed".
Napster hat fünf Mio. Songs verkauftTiefrote Zahlen
Zeit zum Verschnaufen hat Napster keine. Demnächst wollen die Giganten Sony und Microsoft eigene Services auf den Markt bringen. Gorog geht von einem Markt zwischen 20 und 40 MIllionen USD im Jahr 2004 aus. Auf Profite muss das Unternehmen noch warten. Im letzten Quartal verlor das Unternehmen 25 Mio. USD - bei einem Umsatz von 18,8 Millionen.
