Verleger: "In zehn Jahren ist Google tot"
Google wehrt sich gegen Absahnervorwürfe aus der deutschen Zeitungsverlegerszene und gibt bekannt, ein Entwicklungszentrum in München zu planen.
Der Online-Konzern Google hat den Vorwurf aus der Verlagsbranche zurückgewiesen, einseitig von Medieninhalten im Internet zu profitieren.
"Wenn ich mir die Schecks anschaue, die wir an Medienunternehmen für die Ausschüttung der Werbeeinnahmen ausstellen, dann ist das ein signifikantes Geschäft", sagte Google-Nordeuropa-Chef Philipp Schindler am Dienstagabend vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Allein im jüngsten Quartal habe Google etwa eine Milliarde Dollar [733 Mio. Euro] an Medienhäuser ausgeschüttet.
"Das ist pervers"
Verleger Christian DuMont Schütte hatte den weltgrößten Internet-Suchmaschinenbetreiber Google am Wochenende scharf angegriffen. Es könne nicht sein, "dass die Medienhäuser in Deutschland grob geschätzt neun Milliarden Euro für Nachrichteninhalte ausgeben, die sie dann kostenlos ins Internet stellen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Bei uns bröckeln Auflage wie Anzeigen, und Google schöpft mit unserer Hilfe den Werbemarkt ab. Das ist pervers." Im Frühjahr habe er folgende These aufgestellt: "In zehn Jahren ist Google tot", sagte DuMont Schütte.
Schindler warnte die Medien in Deutschland davor, den Aufschwung in der Online-Werbung nicht zu verpassen. Rund um die Vermarktung von Online-Werbung durch Google sei ein partnerschaftliches "Ökosystem" entstanden. "Ein erzkonservatives Medienunternehmen, das sich der Online-Welt versperrt, wird allerdings nicht unbedingt zu diesem Ökosystem gehören", sagte Schindler. Im Rahmen der Partnerschaften könnten auch strittige Punkte - etwa Urheberrechtsfragen - gelöst werden. Die Medienbranche wirft Google immer wieder Urheberrechtsverletzungen vor, zuletzt vor allem beim Internet-Videodienst YouTube.
Im Februar wurde Google in Belgien im Urheberrechtsstreit mit belgischen Zeitungen zu einer Entschädigungszahlung verurteilt. Vertreter der Online-Ausgaben österreichischer Zeitungen stehen dem Google-Nachrichtenservice Google News größtenteils positiv gegenüber.
"Zwischen Schlusslicht und Anhängerkupplung"
Der deutsche Online-Markt bewegt sich nach Schindlers Worten im internationalen Vergleich immer noch "zwischen Schlusslicht und Anhängerkupplung". Zwar seien viele Haushalte inzwischen mit einer hohen Geschwindigkeit an das Internet angeschlossen, bei der Nutzung des Netzes lägen jedoch etwa Großbritannien und die nordischen Länder vor Deutschland. "Das ändert sich aber gerade, da es bei uns endlich auch attraktive Flatrate-Tarife gibt."
Schindler verwies darauf, dass zwischen der Investition der werbetreibenden Industrie und der Mediennutzung im Online-Sektor noch eine Lücke klaffe. Während derzeit nur knapp sieben Prozent der Werbeausgaben im Online-Bereich landeten, erreiche das Internet mehr als 20 Prozent der Mediennutzung. Das habe sich inzwischen auch in der Werbebranche herumgesprochen. "Wir bemerken jetzt einen Ruck."
Google-Entwicklungszentrum für München
Der Aufschwung in der deutschen Online-Branche werde sich auch in den Aktivitäten von Google niederschlagen. So ist München nach Angaben von Schindler als dritter Standort eines Google- Entwicklungszentrums vorgesehen. Bisher betreibt Google solche Zentren nur am kalifornischen Firmenstandort Mountain View und in Zürich.
Google Deutschland beschäftige derzeit über 150 Mitarbeiter. "Wir haben außerdem noch über 50 offene Stellen." In Deutschland sei Google mit fünf Büros vertreten, neben Hamburg und München noch in Frankfurt, Düsseldorf und Berlin. Zahlen zum Umsatz der deutschen Niederlassung veröffentlicht das US-Unternehmen nicht.
Im vergangenen Dezember eröffnete Google auch eine Österreich-Niederlassung, die Österreichs Unternehmen die Vorteile der Online-Werbung nahebringen soll. Die Anzahl der Mitarbeiter beschränkt sich auf "eine Handvoll Leute", wie es damals hieß.
(dpa)
