Toll Collect bessert Angebot nach
Gut eine Woche nach der Kündigung der Mautverträge durch den deutschen Bundesverkehrsminister steht das Konsortium Toll Collect nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" kurz vor einem nachgebesserten Angebot.
Spätestens Sonntagnacht soll der Bundesregierung eine neue Lösung unterbreitet werden, berichtete das Blatt am Samstag. Das neue Angebot beinhalte unter anderem eine Haftungsgrenze von mehr als 1 Milliarde Euro. Dabei sollen die Vertragsstrafen schrittweise auf bis zu 100 Millionen Euro pro Monat erhöht werden. Toll Collect hatte zuletzt maximal 600 Millionen pro Jahr Schadenausgleich angeboten.
Der Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, Felix Stenschke, wollte sich am Samstag zu dem in der Zeitung angekündigten Vorschlag nicht äußern. "Wir warten auf konkrete Vorschläge." Dem Ministerium liege bislang kein neues Angebot vor, es gebe also auch "keinen neuen Stand". Ein Deutsche-Telekom-Sprecher sagte zu dem Bericht lediglich, dass sich das Unternehmen nicht an Spekulationen beteiligen werde.
Neuer Spitzenmanager im Rennen
Die Deutsche Telekom schickt nach Angaben der "Frankfurter
Allgemeine Zeitung" [Samstag] einen neuen Spitzenmanager in die
Verantwortung, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Der für die
Konzernsäule T-Systems verantwortliche Vorstand Konrad Reiss werde
den Aufsichtsratsvorsitz bei Toll Collect übernehmen und Peter
Mihatsch, früher Chef von Mannesmann-Mobilfunk, ablösen.
Zwistigkeiten bei deutschem Toll CollectMihatsch hatte den Angaben zufolge die Aufgabe erst Mitte Dezember 2003 übernommen. Auch ein nochmaliger Wechsel an der Spitze der Geschäftsführung von Toll Collect gelte als nicht ausgeschlossen.
Am 17. Februar hatte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe den Konsortialmitgliedern DaimlerChrysler, Deutsche Telekom und dem französischen Autobahnbetreiber Cofiroute den Maut- Vertrag gekündigt. Binnen zwei Monaten kann Toll Collect nachbessern. Der Vorstandschef von DaimlerChrysler, Jürgen Schrempp, hatte auf der Bilanzpressekonferenz des Automobilbauers gesagt, dass Toll Collect innerhalb von 10 Tagen eine Lösung präsentieren könnte.
DT will Satellitensystem forcieren
Die Deutsche Telekom ist stark daran interessiert, das Satelliten gestützte Mautabrechnungssystem für Lkw auf deutschen Autobahnen zum Durchbruch zu verhelfen. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke wurde im Zusammenhang des Mautstreits mehrfach mit den Worten zitiert: "Wir werden das lösen". Nach weiteren Angaben des Blattes will sich DaimlerChrysler entgegen Medienberichten nicht aus dem Konsortium zurückziehen. Die Beteiligungsverhältnisse sollen bestehen bleiben. Allerdings wolle die DT die industrielle Führung übernehmen.
