Internet-Cafes als Notunterkünfte

japan
28.08.2007

Regierungsuntersuchung

Weil sie zu wenig Geld für eine richtige Wohnung haben, leben Tausende Japaner einer Untersuchung der Regierung zufolge in Internet-Cafes. Etwa 5.400 Menschen wohnten derzeit praktisch in den rund um die Uhr geöffneten Lokalen, teilte das japanische Gesundheitsministerium am Dienstag in Tokio mit. Das Ministerium hat im Juni und Juli 2007 alle 3.246 registrierten Internet- und Manga-Cafes per Telefonbefragung erfasst. 1.173 dieser Geschäfte nahmen an der Umfrage teil.

Rund um die Uhr geöffnete Internet- und Zeitschriftencafes sind in japanischen Städten allgegenwärtig. Sie bieten Liegen, Computer, Getränke und Mangas für gestresste Geschäftsleute und Pendler an, die ihren Zug verpasst haben.

Mehr als drei Viertel der obdachlosen Kunden seien Männer, und mehr als die Hälfte habe sich nach einem Jobverlust für das neue Zuhause entschieden, heißt es in der Studie. Vor allem junge Menschen um die 20 [26,5 %] und ältere Arbeitslose um die 50 [23,1 %] seien auf die Cafes als Unterkünfte angewiesen.

715 Euro Einkommen

14 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nach familiären Problemen Zuflucht in den Cafes gesucht hätten. Das durchschnittliche Einkommen der Cafe-Flüchtlinge liegt nach Ministeriumsangaben bei 113.000 Yen [715 Euro] im Monat.

Ein fünfstündiger Aufenthalt in einem Internet-Cafe in Tokio kostet inklusive Verpflegung etwa 3.000 Yen [20 Euro]. Für 200 Yen können Besucher eine halbe Stunde duschen, auch frische Unterwäsche gibt es zu kaufen.

(APA | AFP | Mainichi Shimbun)